Werner Pitsch wurde am 9. März 2026 zum Professor für Sportsoziologie an der Universität des Saarlandes ernannt. Er trat damit eine fünfjährige Professur an, die bis zu seinem Ruhestand befristet ist. Pitsch hat sich seit 2005 an der Universität des Saarlandes engagiert und gilt als Pionier der Randomized-Response-Technik in der Sportwissenschaft, die darauf abzielt, die Anonymität der Befragten bei sensiblen Themen wie Doping zu schützen. Sein Amtsantritt ist für den 15. März 2026 vorgesehen.
Pitsch plant, in den kommenden Jahren den Medikamentenkonsum im Breitensport zu erforschen. Das zentrale Anliegen seiner Forschung ist zu untersuchen, wie von den Sportlern als gesundheitsförderlich wahrgenommene Freizeitaktivitäten sich in gesundheitliches Risikoverhalten verwandeln können. Dies ist besonders relevant, da Arztpraxen oft die ersten Anlaufstellen für Sportler mit gesundheitlichen Problemen oder Substanzmissbrauch sind.
Forschungsschwerpunkte und Herausforderungen
Die Prävalenz von Substanzmissbrauch variiert stark zwischen den Sportarten. Im Kraftsport sind Anabolika häufig anzutreffen, während im Ausdauersport der Einsatz von Erythropoetin (EPO) und Blutdoping alarmierend ist. Laut Statistiken der World Anti-Doping Agency (WADA) machen Hormone 61 % aller Anti-Doping-Regelverstöße aus, wobei die Mehrheit der Verstöße auf Androgene zurückzuführen ist. Die Prävalenzraten des Arzneimittelmissbrauchs bei Sportlern liegen bei 13,4 %, in bestimmten Subpopulationen, wie den Besuchern von Fitnessstudios, sogar bei bis zu 18,4 %. In der Elite sind es erschreckende 70,1 % der Athleten, die in ihrem Leben mit Substanzmissbrauch in Kontakt kamen.
Pitsch wird sich in seiner Forschung nicht nur auf Doping und Medikamentenmissbrauch konzentrieren, sondern auch auf körperliche und sexuelle Gewalt im Sport, Korruption in Sportverbänden und Bestechung im Kontext von Sportwetten. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind sozialwissenschaftliche Agentenmodelle zur Analyse von Spitzensportlerkarrieren, die in der sportwissenschaftlichen Gemeinschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Akademische Laufbahn und Lehrtätigkeit
Pitsch hat Sportwissenschaft an der Universität des Saarlandes studiert und 1990 als Diplom-Sportlehrer abgeschlossen. Abgerundet wird seine akademische Ausbildung durch ein Magisterstudium in Sportwissenschaft, allgemeiner Psychologie und Soziologie. 1998 promovierte er an der Universität der Bundeswehr München und erwarb 2020 die Venia Legendi für Sportwissenschaft mit seiner Habilitationsschrift.
Aktuell leitet Pitsch die Funktionseinheit Sportsoziologie und Sportökonomie an der Universität des Saarlandes und engagiert sich als ERASMUS+-Fachkoordinator, um eine international ausgerichtete Lehre zu fördern. In der Lehre werden neben der Sportsoziologie auch die sozialwissenschaftliche Methodologie und die Sportökonomik behandelt.
Durch seine geplante Zusammenarbeit mit dem Interdisciplinary Institute for Societal Computing (I2SC) an der Universität des Saarlandes soll die empirische Forschung am Sportwissenschaftlichen Institut weiterentwickelt werden. Diese Initiative verspricht, den Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen zu stärken und innovative Ansätze in der Sportsoziologie zu fördern.
Insgesamt steht Pitsch vor der Herausforderung, tiefere Einblicke in die komplexen Zusammenhänge zwischen Sport, gesellschaftlichen Normen und individuellen Verhaltensweisen zu gewinnen. Sein Engagement wird nicht nur die Forschung, sondern auch die Lehre an der Universität des Saarlandes nachhaltig beeinflussen und weiterentwickeln.
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