Der YouTuber Mirko Drotschmann, bekannt durch seinen Kanal „MrWissen2Go“, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wissen auf eine authentische und zugängliche Weise zu vermitteln. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen traditionellem Journalismus und sozialen Medien verschwimmen, betont Drotschmann, dass gut gemachte Videos ähnliche Ansprüche erfüllen sollten wie klassische journalistische Beiträge. Seine Herangehensweise ist es, das Publikum aktiv einzubinden, indem er Videos oft mit Fragen beendet, die zur kritischen Auseinandersetzung anregen. Dies ist besonders wichtig auf Plattformen wie YouTube, wo die Authentizität der Protagonist*innen und die Einbindung des Publikums entscheidend sind, wie tu-dortmund.de berichtet.

Drotschmann verfolgt einen eigenen Stil, bei dem er sich bewusst dagegen entscheidet, Jugendsprache zu verwenden. Er selbst verantwortet die Themenauswahl, Skripterstellung und Dreharbeiten größtenteils allein aus seinem Keller. In der Regel benötigt er etwa eine Woche zur Fertigstellung eines Videos; in Ausnahmefällen schafft er es jedoch, dies in nur sechs Stunden zu erledigen. Während er bei seinem Format „MrWissen2Go Geschichte“ mit einem Autor*innen-Team kooperiert, bleibt der Großteil der Produktion in seiner Hand.

Herausforderungen im Wissenschaftsjournalismus

Die Abhängigkeit von Klickzahlen und Algorithmen hat für Drotschmann oberste Priorität, dennoch betrachtet er die Relevanz und Verlässlichkeit seiner Arbeit als essenziell. Mit rund 2,4 Millionen Abonnent*innen hat er eine breite Zielgruppe erreicht. Diese Zielgruppe schätzt seine Art der Wissensvermittlung, die sich nicht nur auf Unterhaltung konzentriert, sondern auch auf eine fundierte und verantwortungsvolle Darstellung wissenschaftlicher Themen.

In diesem Zusammenhang wird die Rolle von YouTube als Plattform für wissenschaftliche Inhalte immer relevanter. Eine umfassende Studie der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) zeigt, dass jede/r dritte YouTube-Nutzende Videos zu wissenschaftlichen Themen konsumiert. Besonders bei jüngeren Menschen mit höherem Bildungsstand und starkem Interesse an Wissenschaft sind diese Formate beliebt. Auch Nutzer*innen mit geringerem Medienvertrauen sehen diese Videos überdurchschnittlich oft. Die Studie legt offen, dass viele Konsumierende Schwierigkeiten haben, zwischen sorgfältig produzierten und irreführenden Inhalten zu unterscheiden, was die Glaubwürdigkeit beeinflusst. So berichtete deutschejournalistenakademie.de, dass nur wenige Befragte die Herkunft der Informationen hinterfragten und viele Hinweise von YouTube zur Einordnung der Videos entweder nicht sahen oder falsch interpretierten.

Der Kampf gegen Falschinformationen

Staatssekretär Dr. Severin Fischer äußerte Bedenken über die Verbreitung von Falschinformationen, insbesondere im Kontext des Ukraine-Kriegs, der Covid-19-Pandemie und des Klimawandels. Die Forschung führt zu der Erkenntnis, dass die Manipulation der Glaubwürdigkeit von wissenschaftlichen Videos zugenommen hat und die Konsumierenden sich leicht täuschen lassen, insbesondere wenn Merkmale des professionellen Journalismus nachgeahmt werden.

Um Defizite in der Informations- und Nachrichtenkompetenz zu kompensieren, ist es notwendig, Initiativen wie „Journalismus macht Schule“ zu fördern. Drotschmann selbst ist ein Teil dieser Entwicklung, da er Teil der Vortragsreihe „Die Wissensmacher“ ist, die seit 2003 vom Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät und der Ruhr-Universität Bochum veranstaltet wird. Diese Reihe bietet Studierenden und anderen Interessierten wertvolle Einblicke in den Berufsalltag von Medienexpert*innen.