Vom 8. bis 10. April findet an der Universität Bielefeld eine bedeutende Tagung statt, an der rund 40 Wissenschaftler*innen aus Europa, Nordamerika und Asien teilnehmen. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf der „Einfluss der Marktlogik auf sozialistische Gesellschaften in China, Vietnam und Laos“ und wird den Auftakt zum ERC geförderten Projekt „FinancialLives“ bilden, das bis 2030 rund 2,42 Millionen Euro Fördermittel erhält. Die Tagung trägt den Titel „Fictitious Commodities Revisited“ und reflektiert das Konzept der fiktiven Waren, das von Karl Polanyi geprägt wurde. Der Eröffnungsvortrag wird von Professor Dr. Erik Harms von der Yale University gehalten, der die Teilnehmer*innen auf die Themen der kommenden Tage einstimmt.

Insgesamt werden sieben Panels stattfinden, die sich mit verschiedenen Aspekten der Finanzialisierung auseinandersetzen. Zu den zentralen Themen gehören unter anderem Landkommodifizierung, Kohlenstoffmärkte und digitale Plattformökonomien. Die Politikwissenschaftlerin Prof’in Dr. Minh Nguyen wird insbesondere die Fragen beleuchten, wie finanzielle Logiken das Leben von Arbeiter*innen in diesen sozialistischen Gesellschaften mit Marktwirtschaft prägen. Arbeiter*innen in China, Vietnam und Laos sehen sich dabei besonderen Herausforderungen gegenüber, da die staatlichen Sozialsysteme oft nicht ausreichend Schutz gegen Marktrisiken bieten.

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Finanzialisierung als strukturelles Phänomen

Die Tagung zielt darauf ab, ein umfassendes Verständnis der Normalität finanzieller Risiken und deren Auswirkungen auf das Leben arbeitender Menschen in diesen Ländern zu fördern. Finanzialisierung, als Prozess des gesellschaftlichen Wandels durch wachsende Bedeutung der Kredit- und Kapitalmärkte, wird als ein zentraler Bestandteil dieser Diskussion betrachtet. Laut einem DFG-geförderten Nachwuchsnetzwerk sind die Ursachen und Folgen der Finanzialisierung von großer Relevanz für die polit-ökonomische Analyse globaler Finanzierungsprozesse.

Das Netzwerk, das von 2009 bis 2014 aktiv war, trug zur politischen Diskussion über Finanzialisierung bei, die bisher als wenig entwickelt gilt. Es wird argumentiert, dass Finanzialisierung als politisch angestoßenes Projekt zu betrachten ist, wodurch der Einfluss von politischer Entscheidungsfindung in Finanzfragen verstärkt wird. Zu den vertretenden Wissenschaftler*innen gehören unter anderem Hans-Jürgen Bieling und Doris Fuchs, die beide auch an der aktuell stattfindenden Tagung in Bielefeld teilnehmen werden.

Ein Blick in die Zukunft

Das Projekt „FinancialLives“ wird sich nicht nur mit den Problemen auseinandersetzen, denen Arbeiter*innen in der Region gegenüberstehen, sondern auch die Auswirkungen auf Arbeitsverhältnisse, soziale Bindungen und politische Teilhabe thematisieren. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen dem Leben der Menschen und den Marktmechanismen zu untersuchen und Lösungen für die Herausforderungen, die sich aus der Finanzialisierung ergeben, zu entwickeln.

Mit der Kombination von Theorie, praktischen Beispielen und interdisziplinärem Austausch könnte die Tagung in Bielefeld einen wesentlichen Beitrag zur Forschung über gesellschaftliche Veränderungen in Asien leisten. Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse aus diesen Diskussionen und der anschließenden Forschung resultieren werden.

Universität Bielefeld berichtet, dass die Veranstaltung ein wichtiger Schritt zur Vertiefung des Verständnisses der Finanzialisierung ist, während Universität Münster weiterführende Analysen und Publikationen über die Ergebnisse der Tagung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft in den kommenden Jahren prognostiziert.