Am 14. März 2026 werden Davor Solter und Azim Surani mit dem renommierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ausgezeichnet. Dieser mit 120.000 Euro dotierte Preis wird für ihre bahnbrechende Entdeckung der genomischen Prägung verliehen, die das Verständnis von Genvererbung revolutionierte. Laut puk.uni-frankfurt.de zeigt die genomische Prägung, dass manche Gene ausschließlich von einem Elternteil aktiv weitergegeben werden. Diese Erkenntnis hat weitreichende Implikationen für die Embryonalentwicklung und die Gesundheit im Erwachsenenalter.
Im Rahmen ihrer Forschung in den 1980er Jahren begannen Solter und Surani, die Parthenogenese bei Säugetieren zu untersuchen. Durch die Transplantation von Keimzellkernen erzeugten sie Mäuseembryonen mit unterschiedlichen Pronuclei. Ihre Studien ergaben, dass embryonale Überlebensfähigkeit nur gegeben ist, wenn sowohl mütterliche als auch väterliche Gene vorhanden sind. Embryonen mit nur mütterlichem oder väterlichem Erbgut starben ab, was die Wichtigkeit der genomischen Prägung unterstrich.
Die Bedeutung der Epigenetik
Die Entdeckung der genomischen Prägung legte den Grundstein für die moderne Epigenetik. Diese Disziplin erforscht, wie molekulare Aufschriften, festgelegt durch chemische Modifikationen wie Methylierung an DNA-Basen, die Aktivität von Genen beeinflussen können. Rund 1% der Gene im menschlichen Genom sind genomisch geprägt, was die Gesundheit und Entwicklung maßgeblich beeinflussen kann. Solter und Suranis Erkenntnisse führten auch zur Identifizierung von genomisch geprägten Genen wie IGF2 und IGF2R, die mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung stehen.
Im Bereich der Krebsforschung spielen epigenetische Veränderungen eine wichtige Rolle. Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Entwicklung neuer Therapien. Aktuell wird eine neue Behandlungsmethode für Gehirntumoren, insbesondere Gliome, in einer klinischen Phase-II-Prüfung getestet. Gliome stellen die häufigste Form von Gehirntumoren dar und entstehen aus Gliazellen. Varun Venkataramani, ein Neurologe und Preisträger des diesjährigen Nachwuchspreises, hat entdeckt, dass gliomatöse Zellen elektrische Impulse von Nervenzellen für ihr Wachstum nutzen können. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Therapie bösartiger Tumoren.
Die Preisträger und ihre Verdienste
Davor Solter, Jahrgang 1941, ist emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik. Azim Surani, Jahrgang 1945, ist Professor an der Universität Cambridge und Direktor für Keimbahn- und Epigenetikforschung. Varun Venkataramani, Jahrgang 1989, arbeitet am Universitätsklinikum Heidelberg und leitet eine Forschungsgruppe, die sich mit der Neurologie befasst. Die Ehrung der Preisträger ist nicht nur eine Würdigung ihrer individuellen Leistungen, sondern auch ein bedeutender Schritt zur Anerkennung der Epigenetik und ihrer Relevanz für die Medizin.
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird seit 1952 vergeben und gilt als der prestigeträchtigste Medizinpreis in Deutschland. Er wird finanziert durch das Bundesgesundheitsministerium und verschiedene Unternehmen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch den Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung, der in diesem Jahr erneut bedeutende Schritte in der medizinischen Forschung honoriert.