Eine neue internationale Forschungskampagne mit dem Namen COMPEX (Clouds over complex environment) hat heute ihre Arbeit gestartet. Im Fokus steht die umfassende Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Wolken und Meereis in der Arktis. Diese Studie, die unter der Leitung von Dr. Mario Mech vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln durchgeführt wird, zielt darauf ab, das Verständnis der rasanten Erwärmung der Arktis zu vertiefen.
Ein zentrales Element der Kampagne ist die Analyse der Eigenschaften von Wolken, die von Satelliten nicht erfasst werden können. Diese Problemstellung tritt häufig auf, da sowohl Wolken als auch Eis eine helle und reflektierende Oberfläche aufweisen, was ihre Unterscheidung erschwert, wie Prof. Dr. Manfred Wendisch von der Universität Leipzig erklärt.
Ziele der Forschungsarbeit
Die Messungen, die zwischen dem 13. März und dem 15. April 2026 stattfinden, konzentrieren sich darauf, die Strahlungsaufnahme und -abgabe von Wolken und Eis sowie den Transport von Wärme und Feuchtigkeit in der arktischen Atmosphäre zu analysieren. Diese Daten sollen dazu beitragen, zentrale Prozesse im arktischen Klimasystem detaillierter zu beschreiben und bisherige Lücken in den Satellitenbeobachtungen zu schließen.
Das COMPEX-Projekt ist Teil des Sonderforschungsbereichs (AC)³, der sich intensiv mit der Arctic Amplification und den Ursachen der Erwärmung beschäftigt. Die Ergebnisse aus diesen Messungen werden nicht nur dazu dienen, Klimamodelle präziser zu gestalten, sondern auch um am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung mögliche Beobachtungsmethoden zu verbessern.
Technische Details der Messkampagne
Die Messung erfolgt an Bord des Polarflugzeugs Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts, wobei Longyearbyen auf Spitzbergen als Ausgangspunkt der Flüge dient. In den kommenden Wochen sind insgesamt etwa 80 Flugstunden geplant. Der Frühjahr ist als idealer Zeitraum gewählt worden, da die Meereseisbedeckung in dieser Jahreszeit maximal ist.
Die verwendeten Instrumente umfassen Radargeräte, Radiometer sowie Sensoren für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind, um umfassende Daten zur Analyse zu liefern.
Darüber hinaus beleuchtet das Projekt die Interaktionen zwischen feuchten und kalten Luftmassen, die nicht nur das Wetter in der Arktis, sondern auch das Wettergeschehen in Europa maßgeblich beeinflussen können. Solche Wechselwirkungen sind entscheidend, da sie die Klima- und Wetterbedingungen in vielen Regionen beeinflussen, wie in vorhergehenden Wintersaisons und deren Effekten auf Mitteleuropa sichtbar wurde.
Die kommende MOSAiC-Expedition ab September 2019 wird daneben eine ähnliche Aufgabe verfolgen und soll weitere Erkenntnisse über Wetter und Klima in der Arktis liefern, um die Klima-Models zu verbessern. Diese Initiativen unterstreichen die enge Kopplung zwischen Europa und der Arktis und deren gegenseitige Klimawirkungen, betont das Alfred-Wegener-Institut.