Am 1. bis 3. Juli 2026 findet in Hannover ein wichtiger Workshop zur Zukunft der Geschlechterforschung statt. Organisiert vom Essener Kolleg für Geschlechterforschung der Universität Duisburg-Essen, trägt die Veranstaltung den Titel „Next Generation Gender Studies“. Ziel des Workshops ist die Entwicklung einer Handlungsagenda zur Stärkung und Verankerung der Geschlechterforschung in der akademischen Landschaft.
Rund 30 Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen werden daran teilnehmen. Der Workshop wird dank der Unterstützung der VolkswagenStiftung durchgeführt und findet im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen statt. Eine zentrale Herausforderung, die im Rahmen der Veranstaltung erörtert wird, sind die politisch motivierten Angriffe auf die Legitimität der Gender Studies sowie die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse für Forschende, die sich am Anfang ihrer Karriere befinden.
Teilnehmer und Ziele des Workshops
Am Workshop nehmen neben Forschenden auch Hochschulleitungen sowie Teams aus Wissenschaftsmanagement und Kommunikation teil. Besonderes Augenmerk liegt auf der Schaffung von Schutz- und Stärkungsmechanismen für Early Career Researchers. Zudem stehen Strategien zur Sichtbarkeit und Anerkennung der Geschlechterforschung auf der Agenda.
Ein weiteres Ziel ist die Erarbeitung eines Positionspapiers, das über nationale Grenzen hinaus Wirkung erzielen soll. Die Antragstellerinnen Dr. Maren A. Jochimsen, Prof. Dr. Anke Hinney und Dr. Lara Altenstädter haben sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Karrieren in der Geschlechterforschung zu verbessern und bestehende Ungleichheiten abzubauen.
Herausforderungen der Geschlechterforschung
Die Gender Studies, auch als Geschlechterforschung bekannt, sind ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das tief in die Analyse von Geschlechterverhältnissen eintaucht. Dabei werden nicht nur Fragen zu Geschlechtsidentität und -rollen untersucht, sondern auch deren Auswirkungen auf Machtstrukturen und soziale Gegebenheiten in Kultur und Wissenschaft.
Die Wurzeln der Geschlechterforschung lassen sich bis in die dritte Welle der feministischen Bewegungen zurückverfolgen. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich das Feld stark diversifiziert, sowohl in den USA, wo die Women’s Studies in den 1960er und 1970er Jahren an Bedeutung gewannen, als auch in Deutschland, wo solche Ansätze seit den 1970er Jahren institutionalisiert wurden. Hier stehen Pionierinnen wie Helga Bilden und Christina Thürmer-Rohr für den frühen Einfluss der Geschlechterforschung.
Die Gender Studies stoßen jedoch nicht nur innerhalb der Akademia auf Unterstützung. Kürzlich gab es auch kritische Stimmen, die die Wissenschaftlichkeit des Fachs in Frage stellen, insbesondere aus naturwissenschaftlichen Disziplinen. Ein Beispiel für solch einen politischen Eingriff in die Forschung ist der Entzug der Zulassung von Genderstudies-Master-Studiengängen in Ungarn im Jahr 2018.
Trotz aller Widerstände bleibt das Ziel, interdisziplinäre Netzwerke aufzubauen und Forschungsfragen zu priorisieren, von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Geschlechterforschung. Veranstaltungen wie der bevorstehende Workshop sind notwendig, um die Sichtbarkeit und den Einfluss dieses wichtigen Forschungsfeldes zu stärken.
Für weitere Informationen können Interessierte die Webseiten der Organisatoren und Verbände besuchen, wie uni-due.de und das Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW, das eine Datenbank namens „Gender Curricula“ anbietet, die einen Überblick über Studiengänge im Bereich Gender Studies vermittelt.