Am 11. April 2026 wurde im Paulikloster in Brandenburg an der Havel der feierliche Auftakt für 50 neue Studierende im Modellstudiengang Zahnmedizin der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) gefeiert. MHB-Präsident Prof. Hans-Uwe Simon würdigte anlässlich des Festakts die Pioniere des Studiengangs, Frau Prof. Oess und Herrn Prof. Schaller, die den hocheffizienten Studiengang 2024 konzipierten. Dies stellt einen bedeutenden Fortschritt für die zahnmedizinische Ausbildung in der Region dar.
Ein wichtiger Meilenstein ist die Eröffnung der ersten zahnmedizinischen Hochschulambulanz Brandenburgs im Januar 2025, die jährlich rund 2.500 Patienten behandelt. Zudem wird Ende August 2026 die erste Universitätszahnklinik des Landes im ehemaligen E-Werk eröffnet. Das innovative Studienkonzept der MHB umfasst eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Zahnarztpraxen, wodurch die Studierenden frühzeitig praktische Erfahrungen sammeln und die medizinische Versorgung vor Ort stärken können.
Bedeutung der zahnmedizinischen Ausbildung für Brandenburg
Die Landtagsvizepräsidentin Dr. Jouleen Gruhn unterstrich während der Feier die Relevanz einer engagierten und umfassenden zahnmedizinischen Versorgung in Brandenburg. Sie betonte die Notwendigkeit von gut ausgebildeten Zahnärzten für die gesunde Zukunft der Region. Oberbürgermeister Daniel Keip beschrieb die Hochschule als bedeutenden Gewinn für die Stadt und hob die Revitalisierung der lokalen Infrastruktur hervor. Neu ist außerdem die Umbenennung einer Haltestelle im öffentlichen Nahverkehr in „Kanalstraße – Zahnklinik (MHB)“.
Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, führte die Verantwortung der Zahnmedizin als integralen Bestandteil der allgemeinen Gesundheit an. MHB-Dekanin Prof. Christine Holmberg versicherte den neuen Studierenden umfassende Unterstützung während ihres Studiums. Der Studierendenvertreter Yannick Henning sprach über die Bedeutung von Teamgeist und Gemeinschaft im Rahmen des zahnmedizinischen Studiums.
Herausforderungen der zahnmedizinischen Versorgungsforschung
In Deutschland wird seit acht Jahren zunehmend auf die Versorgungsforschung in der Zahnmedizin fokussiert. An 12 medizinischen Fakultäten laufen bereits Aktivitäten in diesem Bereich. Es gibt aktuell 9 Großprojekte, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie vom Innovationsfonds gefördert werden, wobei der tatsächliche Bedarf an Versorgungsforschung die gegenwärtigen Kapazitäten deutlich übersteigt. Notwendig sind entsprechend strukturierte und methodisch versierte Forschungsverbünde, um die Herausforderungen in der zahnmedizinischen Versorgung zu adressieren und den steigenden Anforderungen an die gesundheitliche Versorgung gerecht zu werden.
Die zahnmedizinische Versorgungsforschung in Deutschland entwickelte sich in den letzten Jahren zwar, bleibt jedoch hinter den Fortschritten anderer europäischer Länder zurück. Erkenntnisse aus der deutschen Versorgungsforschung können für andere Länder von Bedeutung sein, weshalb es wichtig ist, die von Forschenden entwickelten Strukturen und Rahmenbedingungen nachhaltig zu etablieren. Aktuell bestehen nur drei Professuren für zahnärztliche Versorgungsforschung in Deutschland, was die Notwendigkeit einer Vertiefung in diesem Bereich verdeutlicht.
Prof. Dr. Dr. Gerhard Schmalz hielt während der Feier einen Festvortrag über die moderne Zahnmedizin als High-Tech-Disziplin und schloss mit dem Appell an die angehenden Zahnmediziner, Geduld mit sich selbst zu haben, sich zu engagieren, offen zu sein und Menschlichkeit in ihr Berufsleben einzubringen. Die Feier wurde durch musikalische Beiträge des Berlin Jazz-Ensembles umrahmt und von Carla Kniestedt moderiert, was zur festlichen Atmosphäre beitrug.