Am 15. Februar 2026 sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) veröffentlicht worden, die auf die Herausforderungen der politischen Bildung an Schulen hinweist. Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass die schulische Bildung über die bloße Vermittlung politischen Wissens hinausgehen muss. Studienleiter Dr. Pascal Alscher hebt hervor, dass nicht automatisch andere Ziele politischer Bildung erreicht werden, was die Notwendigkeit gezielter didaktischer Ansätze unterstreicht.
Insbesondere in der Sekundarstufe I sollte der Fokus auf der Entwicklung von Motivation, Einstellungen und Beteiligungsbereitschaft liegen, so die Stellungnahme von IFS-Direktorin Prof. Nele McElvany. Diese Kompetenzen sind entscheidend für die langfristige Sicherung und Weiterentwicklung der Demokratie. Um den Stand und die Entwicklung dieser Fähigkeiten zu überprüfen, wird ein bundesweites Bildungsmonitoring von Civic Literacy als notwendig erachtet.
Die Rolle von Civic Literacy
Am IFS wurde ein Civic-Literacy-Rahmenmodell entwickelt, das zentrale Kompetenzen für die politische und gesellschaftliche Teilhabe messbar macht. Die Definition von „Civic Literacy“ als mehrdimensionales Konstrukt umfasst Kenntnisse, motivationale Aspekte, Einstellungen sowie die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme. Die Studie untersucht diese Aspekte über einen Zeitraum, in dem die Schüler von der 7. bis zur 10. Klasse begleitet wurden.
Die Ergebnisse zeigen einen kontinuierlichen Anstieg des politischen Wissens, wobei dieses in Klasse 10 stärker ausgeprägt war als in Klasse 7. Allerdings bleibt die Bereitschaft zur aktiven Partizipation in der 7. Klasse zunächst niedrig und sinkt zwischen den Klassen 8 und 9 weiter, bevor sie in der 10. Klasse wieder das Ausgangsniveau erreicht. Trotz dieser positiven Entwicklung ist die Motivation der Jugendlichen insgesamt gering ausgeprägt.
Soziale Einstellungen junger Menschen
Zusätzlich haben sich das politische Interesse und das interne politisches Effektivitätsgefühl leicht erhöht, wobei diese Werte dennoch auf einem niedrigen Niveau verharren. Die Untersuchung zeigt außerdem, dass sich das externe politisches Effektivitätsgefühl über die Jahre kaum veränderte und ebenfalls niedrig blieb.
Ein positiver Aspekt der Studie ist die Haltung der Jugendlichen zur pluralen Gesellschaft. Viele befürworten die Berücksichtigung von Minderheitenmeinungen und zeigen im Allgemeinen eine neutrale bis zustimmende Einstellung zur Demokratie in der 7. Klasse. Diese Haltung entwickelte sich im weiteren Verlauf positiv, blieb aber moderat ausgeprägt.
Insgesamt betrachtet wird die Stärkung der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen als eine zentrale Aufgabe für die Demokratie angesehen. Um diesen Austausch zu fördern, veranstaltet das Institut für Schulentwicklungsforschung seit 2023 die Reihe „Tuesdays for Education“. In diesen Webinaren haben Multiplikator*innen aus verschiedenen Bereichen die Möglichkeit, sich über aktuelle Forschungsergebnisse auszutauschen.