Am 16. März 2026 wurde am Alten Bahnhof in Verl-Kaunitz ein neues Testfeld für automatisierte Straßen- und Schienenfahrzeuge eingeweiht. Dieses innovative Projekt, bekannt als „Automated Transport of Road and Rail Goods OWL“ (AuToRail OWL), zielt darauf ab, ein automatisiertes Zweiwegefahrzeug zu entwickeln, das sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene operieren kann. Die Initiative wird von einer Kooperation verschiedener Institutionen, darunter die Universität Bielefeld, die Hochschule für Studien und Berufliche Integration (HSBI), die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) und die Verler Immobilien- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (VIW), vorangetrieben.

Ein zentrales Element des Projekts ist die hochpräzise Lokalisierungs- und Umgebungserkennung, die essenziell für die automatisierte Steuerung der Fahrzeuge ist. Dazu kommen Technologien wie ein modernes GNSS-System für eine zentimetergenaue Positionsbestimmung sowie KI-gestützte Kameralösungen zur Schienenkennung. LiDAR- und Ultraschallsensoren helfen zudem bei der Hinderniserkennung, wodurch der Fahrwegwechsel zwischen Straße und Schiene mit minimalem Zeitverlust realisiert werden soll. Dies könnte auch die Reaktivierung ländlicher Bahnstrecken begünstigen, indem Teilstrecken auf der Straße genutzt werden.

Projektschritte und Fortschritt

Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre, wobei die Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms „Regionale 2022 OWL“ bereitgestellt wird. Der Förderbescheid wurde bereits Anfang 2024 erteilt. Örtliche Genehmigungsverfahren erwiesen sich jedoch als zeitaufwendig; die Genehmigung durch die Landeseisenbahnverwaltung wurde erst im Juli 2025 erteilt. Nach diesem langen Prozess wurden Anfang 2026 bereits die Bauarbeiten für die notwendigen Infrastrukturen gestartet, während das Rangierfahrzeug im Januar 2026 angeliefert wurde.

Mit dem Testfeld ist ein Beitrag zur Initiative vernetzte Mobilität OWL und zu den Mobilitätsinitiativen im RailCampus OWL verbunden, die innovative Ansätze zur Integration von Straßen- und Schienenverkehr vorantreiben.

Die Zukunft des automatisierten Fahrens

Parallel zu diesen Entwicklungen wurde am 1. Januar 2022 das Projekt KoKoVI gestartet, das von acht Instituten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt wird. Ziel dieses Projekts ist es, ein intelligentes Verkehrssystem der Zukunft zu schaffen, das über eine verteilte lernende Intelligenz verfügt, um den Verkehr zu optimieren. Dabei werden zentrale Methoden und Technologien entwickelt, die eine umfassende Mobilitätsdatenerhebung, Umfelderfassung und Ego-Lokalisierung ermöglichen.

Mit dem Fokus auf automatisiertes Fahren beinhaltet das DLR-Projekt auch praktische Erprobungen, wie die Implementierung einer virtuellen Haltestelle und die Unterstützung durch Remote Operator-Technologien zur Hindernisumfahrung. Solche Technologien sollen die Integration automatisierter Fahrzeuge in bestehende Verkehrssysteme vorantreiben. Besondere Herausforderungen dabei sind komplexe Verkehrsszenarien, in denen Fahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmern und dynamischen Bedingungen interagieren müssen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektive

Der rechtliche Rahmen für autonomes Fahren in Deutschland wurde durch das Gesetz, das am 28. Juli 2021 in Kraft trat, grundlegend verbessert. Dieses Gesetz erlaubt den Betrieb fahrerloser Fahrzeuge (Level 4) auf öffentlichen Straßen in festgelegten Betriebsbereichen. Um den Einsatz und die Sicherheit dieser Fahrzeuge zu gewährleisten, sind spezifische technische Anforderungen sowie Genehmigungs- und Zulassungsverfahren notwendig, die am 1. Juli 2022 in Kraft traten.

Die Bundesregierung verfolgt mit einer Förderung von rund 90 Millionen Euro für 41 Forschungsprojekte aktiv die Entwicklung autonomer und vernetzter Fahrzeuge und deren Integration in intelligente Verkehrssysteme (IVS). Durch die SAEO-Klassifizierungen werden dabei verschiedene Automatisierungslevel von Fahrzeugen definiert, die von keiner Automatisierung bis hin zu vollautomatisierten Fahrfunktionen reichen.

Mit diesen fortschrittlichen Projekten und rechtlichen Rahmenbedingungen steht die Mobilität der Zukunft vor einer entscheidenden Wende, die sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Effizienz erheblich steigern könnte. Die Entwicklungen im Bereich des automatisierten Fahrens zeigen, dass Deutschland eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet anstrebt, um den Herausforderungen einer sich rapide verändernden Mobilitätslandschaft gerecht zu werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Bielefeld, DLR und BMV.