Am 18. März 2026 fiel der Startschuss für ein innovatives Projekt zur Sicherung von Erfahrungswissen in deutschen Unternehmen. Unter dem Namen „STARK“ entwickelt das Fraunhofer IPK ein fortschrittliches Chatbot-System, das Unternehmen unterstützen soll, die drohenden Wissensverluste infolge des Generationenwechsels abzufedern. Diese Initiative wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert und zielt darauf ab, den Herausforderungen, vor denen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im produzierenden Gewerbe stehen, entgegenzuwirken.
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass bis 2036 rund 20 Millionen Babyboomer in den Ruhestand gehen werden. Im Gegensatz dazu ist nur mit 12,5 Millionen jüngeren Arbeitskräften zu rechnen. Diese demografische Entwicklung stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, die durch das STARK-Projekt adressiert werden sollen. Der Fokus liegt auf einem KI-gestützten Systemansatz, der es ermöglichen soll, das Wissen älterer Arbeitnehmer für die zukünftigen Generationen zu sichern und weiterzugeben. Die Projektpartner umfassen neben Fraunhofer IPK auch die BSP Business and Law School, die Technische Universität Berlin sowie die Unternehmen Harms & Wende GmbH & Co. KG und FBT Feinblechtechnik GmbH.
Der STARK-Buddy: Ein KI-Assistenzsystem
Kernstück des Projekts ist die Entwicklung eines Prototyps namens „STARK-Buddy“. Dieser KI-gestützte Assistent soll den Wissenssicherungs- und Transferprozess unterstützen und Mitarbeitende in kritischen Arbeitssituationen begleiten. Durch den Einsatz von Wearables wie Smart Glasses wird eine intelligente Dialogführung ermöglicht, die den Wissenstransfer in Echtzeit fördert.
Das Projekt beinhaltet außerdem ein ELSI-Konzept, das darauf abzielt, Transparenz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu fördern. Zudem soll ein interaktiver Praxisleitfaden entwickelt werden, der Best Practices, Templates und Checklisten umfasst. Ziel des Projekts ist es, die Fachkräftesicherung zu unterstützen und Organisationen mit häufig wechselnden Teamstrukturen zu helfen. Die Projektlaufzeit erstreckt sich bis zum 31. Dezember 2028 und wird mit rund 2 Millionen Euro durch das BMFTR und den ESF Plus gefördert.
Digitale Souveränität und Industrie 4.0
Das STARK-Projekt tritt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der deutschen Industrie auf, die sich zunehmend in Richtung einer digitalen Transformation bewegen. Das Leitbild für die Datenökonomie in Deutschland fördert eine offene digitale Infrastruktur sowie Datenschutz und IT-Sicherheit. Eine beschleunigte Digitalisierung wird als entscheidend erachtet, um die notwendigen CO2-Emissionseinsparungen zur Erreichung der Klimaziele zu realisieren, und könnte laut Schätzungen etwa 17% des Einsparpotentials in der Industrie ausmachen. Dabei spielen digitale Lösungen eine zentrale Rolle, um ressourceneffiziente und CO2-neutrale Produktionsmethoden zu unterstützen.
Die Plattform Industrie 4.0, von der GAIA-X initiiert wurde, zielt darauf ab, souveräne digitale Ökosysteme zu gestalten. Ein zentrales Ergebnis dieser Initiative ist die Asset Administration Shell, die intelligente Vernetzungen in der Produktion ermöglicht. In diesem Kontext ist es von enormer Relevanz, dass Technologien wie der „digitale Zwilling“ und der Materialpass in die Produktionsprozesse integriert werden, um den Anforderungen an eine nachhaltige und digitale Industrie gerecht zu werden.
Die Kombination von Zielen des STARK-Projekts und den übergeordneten Zielen der Industrie 4.0 eröffnet neue Perspektiven für die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Es bleibt abzuwarten, wie effektiv diese Bemühungen den Herausforderungen des demografischen Wandels und der digitalen Transformation begegnen können.



