Mit dem 1. April 2026 gibt es frische Impulse im deutschen Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR). Neueste Zuwachs ist die renommierte Soziologin Prof. Dr. Irena Kogan. Sie tritt die Nachfolge des im Januar 2026 verstorbenen Prof. Dr. Matthias Koenig an und wird in einem interdisziplinären Gremium tätig, das aus neun Mitgliedern besteht und der wissenschaftlichen Politikberatung dient. Kogan ist seit 2009 Inhaberin der Professur für Soziologie und Gesellschaftsvergleich an der Universität Mannheim, wo sie sich intensiv mit Themen wie ethnischer und sozialer Ungleichheit sowie der Migration und Integration von Zuwandernden beschäftigt. Ihre Expertise wird als wertvoll eingeschätzt, insbesondere durch ihre internationale Vernetzung und ihre langjährige Forschungserfahrung, unter anderem in der Leitung des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES) von 2020 bis 2023.
Kogan hat sich zudem dem ERC-geförderten Projekt „Partnerschaftsbildung von Geflüchteten in Deutschland“ (PARFORM) verschrieben, das darauf abzielt, die sozialen Netzwerke und Integrationsmöglichkeiten von Geflüchteten zu untersuchen. Sie betont, dass es ihr Anliegen ist, wissenschaftliche Erkenntnisse in politische und gesellschaftliche Prozesse einzubringen und somit konkrete Veränderungen zu bewirken. Im Sommer 2026 wird sie für ihre Grundlagenforschung zu Bildungs- und Berufschancen von Migrant*innen mit dem Landesforschungspreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Herausforderungen im Bildungssystem
Die Problematik ethnischer Bildungsungleichheiten, mit der sich Kogan beschäftigt, ist in Deutschland von zentraler Bedeutung. Insbesondere Schüler*innen mit Migrationshintergrund sehen sich oft größeren Herausforderungen gegenüber als ihre Altersgenossen ohne Migrationsgeschichte. In der wissenschaftlichen Diskussion wird häufig auf Studien verwiesen, die sich mit den ungleichen Bildungschancen auseinandersetzen. Im Rahmen dieser Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass ethnische Diskriminierung im deutschen Bildungssystem nach wie vor eine bedeutende Rolle spielt, was sich in ungleichen Bildungsaspirationen und -erfolgen widerspiegelt. Forscher wie Becker und Biedinger (2016) haben in ihren Arbeiten die ethnischen Ungleichheiten in der vorschulischen Bildung hervorgehoben, während andere Studien den Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe analysieren.
Diese Themen stehen im krassen Gegensatz zu den hohen Bildungsaspirationen, die viele migrantische Familien hegen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schüler*innen aus Familien mit Migrationshintergrund eine starke Motivation zeigen, ihre Bildungswege zu gestalten und durch engagiertes Lernen aufzusteigen. Doch trotz dieser Ambitionen führt der ethnische Hintergrund nicht immer zu den erwarteten Erfolgen. Dies wird durch Forschungsergebnisse untermauert, die verschiedenste Einflussfaktoren aufzeigen, welche die Bildungslaufbahnen von Migrantenkindern bestimmen.
Einfluss der Integration auf Bildungswege
Prof. Kogan wird dabei eine entscheidende Rolle spielen, da sie das Ziel verfolgt, strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Chancen von Migrant*innen im Bildungssystem zu fördern. Mit ihrer ausgewiesenen Expertise in Quantitativen Methoden der Sozialforschung ist sie bestens gerüstet, um komplexe Zusammenhänge zu analysieren und Handlungsempfehlungen zu formulieren, die auf evidenzbasierte Ansätze setzen. Ihre Arbeit im SVR wird hoffentlich dazu beitragen, die nicht nur theoretische, sondern auch praktische Umsetzung von Integrationsstrategien zu verbessern und die Bildungsungleichheiten zu reduzieren, die nach wie vor ein drängendes Problem in unserer Gesellschaft darstellen.
Die Themen, die Kogan und ihr Team angehen, sind nicht nur von akademischem Interesse, sondern betreffen das tägliche Leben zahlreicher Familien in Deutschland. Mit ihrem Engagement und ihrer Expertise sorgt Kogan dafür, dass diese essentiellen gesellschaftlichen Fragen nicht in den Hintergrund gedrängt werden, sondern im Vordergrund der politischen und gesellschaftlichen Diskussion stehen.



