In der Welt der Wissenschaft wird regelmäßig Außergewöhnliches geleistet, und die jüngste Verleihung des Landesforschungspreises Baden-Württemberg honoriert Forschung, die gesellschaftliche Herausforderungen thematisiert. Am 11. Juni 2026 wird Prof. Dr. Irena Kogan von der Universität Mannheim für ihre bemerkenswerten Beiträge zur Soziologie ausgezeichnet. Der Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist, wird von Wissenschaftsministerin Petra Olschowski überreicht. Kogan, die seit Oktober 2009 den Lehrstuhl für Soziologie und Gesellschaftsvergleich inne hat, hat sich besonders mit sozialen Ungleichheiten, Migration und Ethnizität beschäftigt, Themen, die in der heutigen Gesellschaft von großer Bedeutung sind.
Kogan leitet das Projekt „Partnerschaftsbildung von Geflüchteten in Deutschland“ (PARFORM), das vom Europäischen Forschungsrat gefördert wird. Diese Arbeit steht in direktem Zusammenhang mit dem aktuellen Bedarf, Bildungsbenachteiligungen zu reduzieren, die insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund betreffen. Laut PISA-Daten hat Deutschland nach wie vor Nachholbedarf bei der gleichberechtigten Bildungsteilnahme. Kinder mit Migrationshintergrund sind oft seltener in Kitas vertreten, besuchen häufiger Hauptschulen und sind an Gymnasien unterrepräsentiert. Diese Ungleichheiten in der Bildung sind alarmierend, da die schulischen Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund häufig hinter denen ihrer Mitschüler ohne Migrationshintergrund zurückbleiben.
Gesellschaftliche Herausforderungen annehmen
Die von Kogan angeführten Forschungsergebnisse sind besonders relevant, da die Unterschiede in den schulischen Leistungen in den letzten Jahren nur langsame Fortschritte verzeichneten, nun jedoch wieder eine wachsende Kluft zeigen. Abgesehen von den ohnehin bestehenden Erwartungen wird die Situation durch die Zuwanderung von Schutzsuchenden seit 2022 zusätzlich kompliziert. Es bleibt abzuwarten, ob Bildungseinrichtungen diese Herausforderungen erfolgreich meistern können. Dabei ist der Zugang zu frühkindlicher Bildung und die Unterstützung innerhalb der Familien entscheidend für die Bildungsbeteiligung dieser Kinder.
Zusätzlich zu ihrer Forschungsarbeit hat Kogan von 2020 bis 2023 das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) geleitet und spielt eine zentrale Rolle im deutschen Teil des internationalen Langzeitprojekts CILS4EU. Ihre akademische Laufbahn begann mit einer Promotion an der Universität Mannheim, die sie im Jahr 2006 mit einer summa-cum-laude-Arbeit zum Thema Arbeitsmarktintegration von Migrant*innen abschloss.
Eine Stimme in der Wissenschaftslandschaft
Kogan hat sich nicht nur in der Forschung, sondern auch in der akademischen Gemeinschaft einen Namen gemacht. Kürzlich wurde sie in das Herausgebergremium der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) berufen, was ihre Expertise und Anerkennung innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft unterstreicht. Die Aktivitäten und Projekte, die sie leitet oder an denen sie beteiligt ist, sind entscheidend, um die Herausforderungen der heutigen Zeit anzugehen und einen positiven Einfluss auf die gesellschaftliche Integration von Migrant*innen zu nehmen.
Die Auszeichnung mit dem Landesforschungspreis ist nicht nur eine Anerkennung für das Engagement von Kogan, sondern auch ein bedeutsamer Schritt für die Sichtbarkeit der Themen soziale Ungleichheit und Migration in der Forschung. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und schließt sowohl grundlegende als auch anwendungsbezogene Forschung ein, was den interdisziplinären Ansatz von Kogan und ihren Kolleg*innen verdeutlicht.
Mit dem Landesforschungspreis wird die Brücke zwischen Forschung und Gesellschaft gestärkt, ein Schritt in die richtige Richtung, um die Herausforderungen, die vor uns liegen, anzugehen. Die Bemühungen um mehr Chancengleichheit im Bildungssystem sind von zentraler Bedeutung, insbesondere für die drei von Hundert Schulkindern, die eine Zuwanderungsgeschichte haben.
Die Universität Mannheim ist stolz auf den herausragenden Beitrag ihrer Forschung und deren Relevanz in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte – ein guter Grund, gespannt auf die Preisverleihung im Juni zu warten!
Weitere Details entnehmen Sie den Berichten auf uni-mannheim.de und bagarbeit.de.