Ein richtiger Gedichtband: Am Dienstag, dem 3. März 2026, findet im Berliner Topographie des Terrors die Vorstellung des Buches „Polnische Bürgermeister und der Holocaust. Besatzung, Verwaltung und Kollaboration“ statt. Der Historiker und Viadrina-Absolvent Grzegorz Rossoliński-Liebe wird zusammen mit Dr. Markus Nesselrodt, einem Historiker der Europa-Universität Viadrina, über die komplexen Zusammenhänge in der Zeit des Zweiten Weltkriegs diskutieren. Interessierte sollten sich beeilen, denn der Eintritt ist frei, eine Anmeldung per E-Mail ist jedoch erforderlich (veranstaltungen@topographie.de).

Das Buch beleuchtet wenig bekannte Aspekte des Holocaust und führt die Leser durch umfangreiche Recherchen in polnischen und deutschen Archiven. Rossoliński-Liebe thematisiert die Mitverantwortung von Bürgermeistern in polnischen Städten während der besetzten Jahre. Jan Grabowski, ein renommierter Professor an der University of Ottawa, bezeichnet das Werk als innovative und instruktive Lektüre. Historiker wie Antony Polonsky und Peter Romijn heben zudem die Wichtigkeit der Studie hervor, die das Verständnis über die lokale Mitschuld an der Schoah entscheidend vertieft.

Einblicke in die komplexe Geschichte

In seinem Buch verweist Rossoliński-Liebe auf historische Beispiele, wie den Fall von Adam Ciepliński, einem Wachtmeister in der Stadt Pilzno. Ciepliński war an der Festnahme eines jüdischen Mannes namens Kupfeld beteiligt, der letztendlich von der deutschen Polizei getötet wurde. Solche Ereignisse illustrieren die Kollaboration zwischen lokalen Behörden und Besatzern, bei denen die polnische Polizei oft aktiv an den Verhaftungen mitwirkte und sich der tragischen Konsequenzen bewusst war. Dies ist nur ein spezifisches Beispiel in einer breiten Palette an Forschungsergebnissen, die aufzeigen, wie stark Antisemitismus und lokale Dynamiken die Kollaboration beeinflussten.

Die Forschungslandschaft hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, und Historiker konzentrieren sich zunehmend auf die Rolle und Handlungsspielräume lokaler Akteure in diesen dunklen Zeiten. In verschiedenen europäischen Ländern wurde das Thema der Kollaboration unterschiedlich wahrgenommen und bewertet, was die Komplexität und Vielfalt der Erfahrungen in den Frontlinien des Zweiten Weltkrieges verdeutlicht.

Viadrina bereichert mit vielfältigen Veranstaltungen

Zusätzlich zur Buchvorstellung bietet die Europa-Universität Viadrina eine Reihe von Veranstaltungen. Am Mittwoch, dem 4. März, sind Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren herzlich eingeladen zur Kinderuni, wo sie lernen können, wie ihr Supermarkt die gewünschten Lebensmittel zu ihnen nach Hause bringt. Prof. Dr. Charlotte Köhler wird diesen spannenden Vortrag halten.

Ein weiteres Highlight ist die Filmvorführung von „Attention: Children“ am Donnerstag, dem 5. März. Der Film ist eine eindringliche Dokumentation über das Leben von Kindern unter den Kriegsbedingungen in der Ukraine, gefilmt von Regisseurin Svitlana Rudiuk. Nach der Vorstellung gibt es die Möglichkeit, Fragen via Videokonferenz zu stellen.

Abgerundet wird das Programm durch eine Fotoausstellung zum Thema „Zerstörtes Kulturerbe in der Ukraine“, die noch bis zum 27. März im Hauptgebäude der Viadrina zu sehen ist. Diese Exposition zeigt eindrucksvoll, welche kulturellen Verluste durch den Krieg verursacht wurden und lädt dazu ein, über die Bedeutung von Kulturerbe in Krisenzeiten nachzudenken.