Die Nieren spielen eine zentrale Rolle in unserem Körper. Sie filtern täglich etwa 1.800 Liter Blut und sorgen dafür, dass schädliche Stoffwechselprodukte aus dem Körper entfernt werden. Doch was passiert, wenn diese lebenswichtigen Organe erkranken? Ein Team von Forschenden der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat sich aufgemacht, die Ursachen und Biomarker der interstitiellen Nephritis (IN) zu erforschen. Die Forschung wird mit 500.000 Euro im Rahmen des Programms zukunft.niederachsen gefördert. Es gibt Hoffnung, dass dies zu einer frühzeitigen Erkennung seltener Nierenerkrankungen führt und damit Nierenschäden verhindern kann.
Ursachen und Herausforderungen
Interstitielle Nephritis kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter der Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika und Schmerzmitteln sowie Infektionen. Allerdings bleibt die klare Ursache für viele Fälle unbekannt, weshalb häufig invasive Verfahren wie eine Nierenbiopsie zum Einsatz kommen müssen. Das Forschungsteam, bestehend aus Prof. Dr. Christian Hinze und Dr. Vega Gödecke, hat sich das Ziel gesetzt, spezifische Biomarker zu identifizieren, um die Typisierung von IN zu verbessern und schneller zu geeigneten Behandlungen zu kommen. Geplant ist die Auswertung klinischer Daten und von Nierenbiopsien von etwa 60 betroffenen Patienten.
Die Rolle der T-Zellen
Ergänzend zu den Initiativen der MHH hat eine Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin auf der 17. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) einen aufregenden neuen Ansatz präsentiert. Laut dieser Studie könnten aktivierte T-Zellen im Urin als nichtinvasive Biomarker für akute interstitielle Nephritis dienen. Damit könnte der Nachweis dieser Erkrankung künftig weniger riskant und einfacher sein, da derzeit eine Nierenbiopsie notwendig ist. Diese Art von Nephritis stellt eine häufige Differenzialdiagnose bei eiligen Verschlechterungen der Nierenfunktion dar und könnte mithilfe dieser neuen Methode schneller und zuverlässiger diagnostiziert werden.
Was sind die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten?
Das Spektrum der Symptome reicht von asymptomatischen Verläufen bis hin zu akutem oder chronischem Nierenversagen. Bei der akuten Form können auch fakultative Hypersensitivitätsreaktionen wie Fieber oder flankenschmerzartige Beschwerden auftreten. Die Therapie zielt in der Regel darauf ab, die auslösende Ursache zu beseitigen, was häufig das Absetzen der verantwortlichen Medikation umfasst. In schweren Fällen kann eine Immunsuppression oder sogar eine Hämodialyse notwendig werden.
Die Differenzierung zwischen akuten und chronischen Formen ist kritisch, da jede ihrer Ursachen unterschiedlich behandelt werden muss. Während die akute interstitielle Nephritis oft allergisch-hypersensitiv ist, kann sie auch durch Virusinfektionen oder Autoimmunerkrankungen ausgelöst werden, die ebenso zu den selteneren Erkrankungen zählen. Namensgeber der Autoimmunerkrankungen in diesem Kontext sind beispielsweise die Sarkoidose und das Sjögren-Syndrom.
Insgesamt ist die Forschung zu interstitieller Nephritis ein klarer Hinweis darauf, dass es für viele seltene Erkrankungen, die mit Nierenproblemen einhergehen, immer noch einen großen Bedarf an besserer Diagnostik und Therapieansätzen gibt. Mit dem Engagement von Teams wie dem der MHH bestehen jedoch vielversprechende Aussichten für die Zukunft.
Für weiterführende Informationen und detaillierte Erkenntnisse zu diesem Thema, klicken Sie auf die Artikel der MHH, Ärzteblatt und das Flexikon.