Am 1. April 2026 wurde Dr. Hans Roth mit einer Emmy Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet. Diese bedeutende Förderung in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro wird es Roth ermöglichen, an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) eine Forschungsgruppe zum Thema „Brechts Gespenster – Theaterwissenschaftliche Theoriebildung im Ausgang des (Post-)Marxismus“ aufzubauen. Im Rahmen dieses Projekts wird Roth mit zwei Doktorand*innen an einem interdisziplinären Ansatz arbeiten, der die Entwicklung von Theorien in der deutschsprachigen Theaterwissenschaft während des Kalten Krieges beleuchtet.

Die DFG fördert das Projekt unter der Projektnummer 566958484 und erkennt damit die Relevanz der Untersuchung der Rezeption und Revision von (post-)marxistischen Ansätzen in der Theaterwissenschaft an. Besonders im Kontext der Deutungskämpfe um das geistige Erbe von Bertolt Brecht sind kritische Auseinandersetzungen mit Brechts Werk von zentraler Bedeutung. Roth hat das Ziel, neue Konzepte und Forschungsansätze zu entwickeln, die im Spannungsfeld zwischen Theorie, Praxis, Historiografie und Gegenwart verankert sind, und plant, die Wechselwirkungen zwischen künstlerischen Entwicklungen und akademischen Debatten zu erforschen.

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Theaterwissenschaft im geteilten Deutschland

Ein zentrales Anliegen von Roth ist die Analyse der Veränderungen im Theorieverständnis der Theaterwissenschaft im geteilten Deutschland. Einen spezifischen Fokus legt er dabei auf die marxistischen und postmarxistischen Ansätze, die in den verschiedenen politischen Systemen hervorgebracht wurden. Roth stellt fest, dass die Geschichte der Theaterwissenschaft in diesem Kontext bislang kaum erforscht wurde.

Das Projekt wird auch einen Vergleich zwischen der in der DDR entwickelten Theatralitätsforschung und dem postdramatischen Ansatz der „Gießener Schule“ anstellen. Dabei ist eine prägnante Fragestellung, wie der Paradigmenwechsel vom Marxismus hin zu poststrukturalistischen und kulturwissenschaftlichen Positionen in der Theaterwissenschaft vonstattengeht. Die Etablierung eines genuin theaterwissenschaftlichen Theorieverständnisses steht ebenfalls ganz oben auf der Agenda der Forschungsgruppe.

Über Bertolt Brecht und sein Erbe

Ein entscheidendes Element im Projekt ist das geistige Erbe von Bertolt Brecht, dessen Einflüsse auf die Theaterwissenschaft bis heute spürbar sind. Brecht, der 1898 in Augsburg geboren wurde, war als Dramatiker und Theaterregisseur besonders für sein Episches Theater bekannt. Seine innovative Herangehensweise an Theater und Dramaturgie stellt bis heute eine wertvolle Ressource für die theaterwissenschaftliche Forschung dar.

Im Verlauf seiner Karriere wurde Brecht häufig von verschiedenen politischen Regierungen verfolgt. Nach seiner Flucht aus Deutschland im Jahr 1933 verbrachte er zahlreiche Jahre im Exil und schuf während dieser Zeit bedeutende Werke. Nach seiner Rückkehr nach Europa gründete er in Ostberlin das Berliner Ensemble, ein Theater, das sich auf seine revolutionären Ansätze stützte.

Mit der Emmy Noether-Förderung eröffnet sich für Dr. Hans Roth und seine Gruppe ein ertragreicher Forschungsraum, der nicht nur die Geschichte der Theaterwissenschaft beleuchtet, sondern auch eine Brücke zur gegenwärtigen Theaterpraxis schlägt. Angesichts der aktuellen politisch-kulturellen Debatten zeigt sich, wie relevant Brechts Ideen und seine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen auch im 21. Jahrhundert geblieben sind.

Die Ergebnisse dieser Forschung können somit nicht nur neue Erkenntnisse in der Theaterwissenschaft liefern, sondern auch aufzeigen, wie die Auseinandersetzung mit Brecht bis heute Inspiration für Künstler*innen und Wissenschaftler*innen ist. Der Blick in die Vergangenheit eröffnet schließlich neue Perspektiven für die Zukunft des Theaters und der Kulturwissenschaften.

Für weitere Informationen über Dr. Roths Projekt und die Emmy Noether-Förderung, besuchen Sie bitte die Seiten Johannes Gutenberg-Universität Mainz und DFG. Um mehr über Bertolt Brecht und seine Werke zu erfahren, lohnt sich ein Blick auf das Deutsche Historische Museum.