In Hagen fand kürzlich ein interdisziplinärer Austausch statt, bei dem Fachleute der Oral History und der Biographieforschung zusammenkamen. Diese Veranstaltung wurde unter der Leitung von Dr. Almut Leh von der FernUniversität in Hagen organisiert. Sie betonte die Vielfalt der Biographieforschung und wie sie in unterschiedlichen Disziplinen eine Rolle spielt.

Diese fächerübergreifende Forschungswerkstatt zielte darauf ab, das Verständnis zwischen verschiedenen Disziplinen zu fördern. Dies geschah durch die Analyse und Interpretation narrativer Interviews, die durch die Methodik des narrativen Interviews geprägt sind. Diese Methode wurde von dem Soziologen Fritz Schütze entwickelt, der ein wesentlicher Einfluss auf die Forschung an der FernUniversität seit den 1970er Jahren war. Das narrative Interview hebt sich durch eine ergebnisoffene Struktur von alltäglichen journalistischen Interviews ab. In der Werkstatt hörten die Forschenden vor allem auf die Erzählungen der Interviewten, anstatt strukturierte Fragen zu stellen.

Forschung und Digitalisierung im Fokus

Almut Leh hob die Bedeutung der Digitalisierung und der Digital Humanities für das Institut für Geschichte und Biographie (IGB) hervor. Im Rahmen des aktuellen Projekts Oral-History.Digital wird eine Plattform entwickelt, die Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, audiovisuelles Material wie Interviews mit Unterstützung von Filtern und einer Volltextsuche zu kuratieren und zu erforschen. Aktuelle Statistiken verdeutlichen den großen Umfang des Projekts: 4113 Interviews stehen zur Verfügung, die von 42 Archiven und 202 Sammlungen stammen.

Die Interdisziplinäre Hagener Forschungswerkstatt brachte die Idee hervor, ein fortlaufendes Format zu etablieren, das es verschiedenen Fachrichtungen ermöglicht, ihre Methoden und Ansätze zu teilen. Mit der Implementierung dieser neuen Plattform wird die Integration in die nationalen Forschungsdateninfrastrukturen durch die Freie Universität Berlin unterstützt, die ebenfalls an dem Vorhaben beteiligt ist.

Nachhaltige Speicherlösung für Interviews

Die Entwicklung von Speicherlösungen für Oral-History-Interviews wird durch die Prinzipien von F.A.I.R. (findbar, zugänglich, interoperabel, nachnutzbar) betrieben. Das sichernde Management der Privatsphäre der Interviewten ist ebenfalls ein zentrales Anliegen dieses Projekts. Über die Erstellung und den Austausch von Begleitdaten wie Transkripten und Metadaten wird sichergestellt, dass die Interviews nachhaltig gesichert sind und den Forschenden, Lehrenden und Studierenden zur Verfügung stehen.

Zusätzlich ermöglicht ein umfangreicher Forschungsbeirat, bestehend aus Expertinnen und Experten aus den Bereichen Linguistik, Sozialwissenschaften, Bildung und Anthropologie, eine tiefe Auseinandersetzung mit diesen Themen. In Kombination mit den Initiativen wie Oral History | Literacy, die Wissen um die Erzeugung und Nachnutzung von Zeitzeugeninterviews vermittelt, wird deutlich, dass die Disziplinen der Oral History und Biographieforschung heutzutage enger zusammenarbeiten als je zuvor.