In der aktuellen Ausstellung der Universität Bonn spielen Pflanzen nicht nur eine zentrale Rolle, sondern sie gewähren auch Einblicke in die komplexen Beziehungen zwischen Menschen und Wissen. Am 19. März 2026 wurde die Schau eröffnet, die in vier Kapitel unterteilt ist: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Diese thematisieren Wachstum, Verlust, Erinnerung und Wandel in der Interaktion zwischen Menschen, Pflanzen und ihren Wissenssystemen. Künstlerinnen mit Wurzeln in verschiedenen Ländern, darunter Chile, Australien, Neuseeland, Nigeria, Mauritius, Indien und Jamaika, bereichern die Ausstellung mit ihren kulturellen und biografischen Perspektiven.

Das erste Kapitel, „Frühling: Wovon träumt Pewen?“, präsentiert die Werke von Neyen Pailamilla, einer queeren Mapuche-Künstlerin, die in Zürich lebt und arbeitet. Ihre Arbeiten befassen sich mit dem Pflanzenwissen als einem spirituellen und gemeinschaftlichen Prozess. Dabei behandelt sie Themen wie Diaspora, Entwurzelung und die Bedeutung von Wissenstransfer innerhalb der Spiritualität der Mapuche. Dies führt uns zu den vielfältigen Aspekten der Pflanzenverwendung und -wahrnehmung in verschiedenen Kulturen.

Partizipative Ansätze und Workshops

Ein Highlight der Ausstellung sind die partizipativen Angebote. So können Besucher ein Duftlabor besuchen, das in Kooperation mit dem Institut für Pharmazeutische Biologie organisiert wurde. Hier können Pflanzen gerochen, mikroskopisch betrachtet und zeichnerisch erfasst werden. Zudem gibt es Workshops zur Destillation von Pflanzen, die interessante Einblicke in deren Nutzung bieten. Eine weitere Attraktion ist der Familien-Leseteppich, der in Zusammenarbeit mit Der Kleine Laden e.V. gestaltet wurde. Eltern und Kinder können hier Bücher über Pflanzen, Gärten, Wasser und Lebensräume entdecken.

Zusätzlich findet man in der Ausstellung eine Bibliothek für Schwarze Ökologien, die Literatur bietet, welche die Perspektiven afrikanischer und afro-diasporischer Menschen behandelt. Auch das Lehrforschungsprojekt „Botanic Futures“, in Kooperation mit den Botanischen Gärten der Universität Bonn, ermöglicht es Studierenden, Zyanotypien und Zines zu kreieren, die relevante Fragen zu Migration und Widerstand aufwerfen. Besucher können zudem eine Augmented-Reality-App herunterladen, die animierte Zyanotypien präsentiert. Unterstützt wird die Ausstellung vom Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS).

Dekoloniales Pflanzenwissen

In enger Verbindung zur Thematik der Ausstellung steht die Dekoloniale Pflanzentour, die am 27. August 2023 in Berlin stattfand. Diese Veranstaltung, ausschließlich für BIPOC FLINTA* Personen, thematisierte die Zerstörung von Wissenssystemen während der Kolonialisierung, insbesondere das Wissen über Pflanzen und deren Umweltinteraktionen. Die Anmeldung war sehr gefragt, und die Veranstaltung war schnell ausgebucht. Teilnehmer konnten unter verschiedenen Sprachangeboten wählen und hatten die Möglichkeit, Anfragen zur Gebärdensprache zu stellen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Auseinandersetzung mit Pflanzen und ihrer Geschichte wird in dem Workshop zur künstlerischen Geschichtsschreibung behandelt. Hier untersuchen Künstler:innen, wie Erden und Pflanzen als Materialien und Zeuginnen kolonialer Vergangenheit fungieren. Diese Diskussion beleuchtet die politischen Dimensionen und Verflechtungen von Pflanzen sowie die verlorenen indigenen Wissensbestände und die Machtstrukturen, die hinter den Benennungs- und Klassifizierungssystemen stehen.

Insgesamt bietet die Ausstellung der Universität Bonn nicht nur einen kreativen Raum für künstlerische Darstellungen, sondern auch einen bedeutenden Ort für Reflexion und Diskussion über die Geschichte, Bedeutung und zukünftige Perspektiven von Pflanzen und dem damit verbundenen Wissen.

Für weitere Informationen zu den Veranstaltungen und Projekten können Sie die Seiten der Universität Bonn, der Spore Initiative und des Zentrum für Künstlerische Geschichtsschreibung besuchen.