Am 21. März 2026 gab die Universität Duisburg-Essen bekannt, dass Prof. Dr. Lucia Bellora-Bienengräber die Professur für Controlling und Nachhaltigkeit an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften übernommen hat. Ihre Forschung konzentriert sich darauf, wie Unternehmen auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen reagieren, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, soziale Gerechtigkeit und Klimawandel. Dabei steht die Bedeutung der Mitarbeiterführung im Mittelpunkt. Das Ziel ist, Arbeitsplätze fairer, flexibler und zukunftssicher zu gestalten, um den Herausforderungen dieser Zeit zu begegnen. Bellora-Bienengräber untersucht auch, inwiefern leistungsorientierte Boni und Weiterbildungsprogramme Mitarbeitende unterstützen können, und analysiert den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Arbeitswelt.

Eine besondere Herausforderung liegt im Umgang mit den Ängsten der Mitarbeitenden. Diese sehen den Einsatz von KI oft kritisch, aus der Sorge heraus, ersetzt zu werden. So erforscht Bellora-Bienengräber empirisch, wie geeignete Führungsstrategien die Reaktionen der Belegschaft auf KI verändern können. Sie möchte aufzeigen, wie der KI-Einsatz als unterstützend empfunden werden kann. In ihrem Forschungsprojekt, das von der Foundation for Auditing Research gefördert wird, wird deutlich, dass Missverständnisse über KI nicht nur die Mitarbeiterbindung gefährden, sondern auch zu Phänomenen wie „stillem Kündigen“ oder Job-Hopping führen können.

KI und soziale Gerechtigkeit

Auf einer anderen spannenden Veranstaltung, der Digitalmesse re:publica in Berlin, wird ein weiteres Gesicht der KI beleuchtet. Hier diskutieren Experten wie Maximilian Kühn, Digitalexperte beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt, über die Auswirkungen von KI auf soziale Gerechtigkeit und Teilhabe. Die Herausforderungen sind groß: KI birgt das Risiko, bestehende Benachteiligungen zu reproduzieren, vor allem wenn sie nicht für alle zugänglich ist. Die Wohlfahrtsverbände sehen Potenzial, KI zur Verbesserung von Dienstleistungen im Pflegebereich einzusetzen, etwa durch automatisierte Dokumentationen oder Unterstützung durch Spracherkennung. Gleichzeitig betonen sie die Notwendigkeit, benachteiligte Gruppen beim Zugang zu digitalen Technologien und Schulungen zu unterstützen.

Doch die Gefahren sind nicht zu unterschätzen. Wie auf der re:publica angesprochen, könnten Menschen ohne Internetzugang oder moderne Endgeräte abgehängt werden. Zudem bleibt die Frage, wie die Gesellschaft eine gerechte Verteilung von KI-Vorteilen erreichen kann. Eine Einigkeit unter den Teilnehmern war, dass KI, sofern sie richtig eingesetzt wird, Generationen zusammenführen und die Demokratie stärken könnte. Dies erfordert jedoch eine inklusive Teilhabe aller Schichten der Gesellschaft.

Ein Blick in die Zukunft des Arbeitsmarktes

Die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt sind vielschichtig und komplex. Zwar sind aktuell nur etwa 6 % der deutschen Unternehmen im KI-Einsatz aktiv, doch die Prognosen deuten auf tiefgreifende Veränderungen hin. Vor allem Automatisierung und Vernetzung verändern bereits jetzt berufliche Tätigkeiten. Eine Untersuchung zeigt, dass Berufe in der Datenverarbeitung, Kundenbetreuung und Personalarbeit zunehmend von KI profitieren. Gleichzeitig bleiben viele Stellen mit KI-Bezug unbesetzt, was auf Unsicherheiten der Unternehmen hindeutet.

  • Beispiele für den KI-Einsatz in Unternehmen:
    • Die Berufsgenossenschaft ETEM nutzt KI zur Prüfung von Unfallanträgen.
    • Lufthansa-Tochter CityLine optimiert Flugabfertigungsprozesse durch KI.
    • Bäckereien setzen KI zur Planung von Einkauf und Produktion ein.

Eine Studie prognostiziert, dass durch KI bis zu 300 Millionen Vollzeitarbeitsplätze in Europa und den USA gefährdet sein könnten. Dies hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab, darunter die Qualifikation der Arbeitnehmenden und rechtliche Rahmenbedingungen. Während Tätigkeiten, die zwischenmenschliche Interaktion erfordern, weniger betroffen sind, könnte KI auch neue Beschäftigungsfelder erschließen und den Fachkräftemangel verringern. In diesem Zusammenhang ist eine Regulierung notwendig, um die Chancen von KI sinnvoll zu nutzen und ihre Risiken zu minimieren, wie etwa es das EU-Parlament im Juni 2023 mit einem neuen KI-Gesetz vorhatte.

Die Forschung und Diskussion um KI und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Arbeitswelt stehen erst am Anfang. Bellora-Bienengräber, Kühn und viele andere Akteure treiben die Debatte voran, um die Potenziale der Technologie zum Nutzen aller zu nutzen.

Für weiterführende Informationen können die vollständigen Berichte von der Universität Duisburg-Essen, der Tagesschau und der Bundeszentrale für politische Bildung eingesehen werden.