Der Deutsche Krebskongress, der größte deutschsprachige Fachkongress zum Thema Krebs, fand Ende Februar 2026 in Berlin statt und lockte rund 12.500 Teilnehmende an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick, der Kongresspräsidentin und Direktorin der Klinik für Hämatologie und Onkologie mit Palliativmedizin im St. Josef-Hospital Bochum, wurden wesentliche Herausforderungen der Onkologie diskutiert. Diese reichen von steigenden Patientenzahlen über komplexere Erkrankungssituationen bis hin zu Fachkräftemangel und finanziellen Engpässen in den Gesundheitssystemen. Das Motto des Kongresses „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ verdeutlicht, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Entwicklung gezielter, personalisierter Behandlungsansätze sind.

Beim Thema „Zusammen“ steht die Teamarbeit in der Onkologie im Vordergrund. Es ist entscheidend, dass alle Betroffenen, unabhängig von Wohnort und Herkunft, Zugang zu optimaler Versorgung erhalten. Die Teilnehmenden diskutierten auch über die Notwendigkeit, ambulante Strukturen zu verbessern, um diese Versorgung zu gewährleisten. Im Rahmen des Kongresses wurde außerdem der Fokus auf die „gezielte“ Behandlung gelegt, welche durch Fortschritte in der Präzisionsonkologie, personalisierte Krebsmedizin und innovative Therapien wie Immuntherapien und CAR-T Zelltherapien geprägt ist. Hierbei wird deutlich, dass Ressourcen effizient eingesetzt werden müssen, um Kostensenkungen und optimale Behandlungsergebnisse zu erreichen.

Neue Masterstudiengänge in Präzisionsonkologie

Ein weiterer bedeutender Schritt in der Onkologie ist die Einführung eines neuen Masterstudiengangs für Präzisionsonkologie, der unter der Koordination der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) realisiert wird. Diese Initiative wird von der Deutschen Krebshilfe mit 630.000 Euro gefördert. Ziel des Studiengangs, der voraussichtlich im Wintersemester 2023/2024 startet, ist es, interdisziplinäre Teams zu bilden, die maßgeschneiderte Krebstherapien entwickeln. Das Curriculum wird sich auf moderne molekulare Diagnostik und biomarker-gesteuerte Therapie stützen.

Der Studiengang richtet sich nicht nur an Mediziner, sondern auch an Bioinformatiker, Molekularbiologen und andere Naturwissenschaftler, die in molekularen Tumorboards tätig sind oder ein Interesse daran haben. Diese Tumorboards sind multidisziplinäre Gremien, in denen Experten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeiten, um personalisierte Therapieempfehlungen für Krebspatienten zu erarbeiten. Die Herausforderung, komplexe diagnostische Informationen in individuelle Behandlungspläne umzusetzen, steht im Mittelpunkt des neuen Ausbildungsprogramms.

Zukunftsausblick und Herausforderungen

Während die Fortschritte in der Forschung und der Entwicklung von Therapien Hoffnung bieten, gibt es auch erhebliche Herausforderungen. Der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal und die fehlenden strukturierten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte und Wissenschaftler stellen große Hürden dar. Initiatoren des Masterstudiengangs sind prominente Fachleute, darunter Dr. Benedikt Westphalen und Prof. Dr. Martin Fischer. Diese Programme sind darauf ausgelegt, die nächste Generation von Onkologen auszubilden und damit die Versorgungsqualität langfristig zu sichern.

Beachtenswert ist auch die Rolle neuer Technologien, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Diagnostik und Therapieplanung. Solche Innovationen unterstützen die Ärzte erheblich und können zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten beitragen. Die Kombination von molekularer Diagnostik mit den entsprechenden Therapieoptionen könnte die Zukunft der Krebsmedizin entscheidend prägen.

In einer Zeit, in der Prävention und Früherkennung von Tumoren immer wichtiger werden, zeigt sich, dass die interdisziplinäre Versorgung und die Entwicklung personalisierter Therapiekonzepte wichtige Elemente einer erfolgreichen Behandlung sind. Mit dem neuen Masterstudiengang werden die Weichen für eine zukunftsfähige Onkologie gestellt.