Sterbehilfe im Fokus: Dr. Neves erforscht die Rolle von Pentobarbital!
Dr. Marcos Neves von der FU Berlin erforscht die gesellschaftlichen Aspekte des Medikaments Natrium-Pentobarbital im Projekt MORTALMED.

Sterbehilfe im Fokus: Dr. Neves erforscht die Rolle von Pentobarbital!
Dr. Marcos Freire de Andrade Neves, Sozial- und Kulturanthropologe an der Freien Universität Berlin, hat mit seinem interdisziplinären Forschungsprojekt MORTALMED bedeutende Unterstützung erhalten. Seine Arbeit wird mit einem ERC Starting Grant in Höhe von 1,49 Millionen Euro gefördert. Damit beabsichtigt er, die globale Verbreitung des Medikaments Natrium-Pentobarbital zu untersuchen und dabei gesellschaftliche, politische sowie kulturelle Dimensionen des Einsatzes zu beleuchten, die durch dieses Medikament geprägt werden.
Im Rahmen seines Projekts analysiert Dr. Neves die transnationale Zirkulation von Arzneimitteln, Menschen, Technologien und Dokumenten im Kontext von Sterbehilfe und Todesstrafe. Sein Arbeitgeber, das Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der FU Berlin, fördert seine Forschung im Bereich Medical Anthropology und Global Health. Ein zentrales Anliegen von MORTALMED ist es, die soziopolitischen Dynamiken und Machtstrukturen, die durch den Einsatz von Natrium-Pentobarbital charakterisiert sind, zu beleuchten.
MORTALMED und seine Ziele
Eines der Hauptziele des Projekts ist die Analyse des Medikaments Natrium-Pentobarbital in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten. Hierzu gehören die Sterbehilfe in der Schweiz, staatliche Hinrichtungen in den USA und die Kommerzialisierung in Mexiko. Dr. Neves beabsichtigt, aufzuzeigen, wie die Anwendung des Medikaments bestehende sozioökonomische und rassische Ungleichheiten widerspiegelt und sogar verstärkt. Dadurch will MORTALMED neue Impulse für politische und rechtliche Debatten zu Sterbehilfe und Todesstrafe bieten.
Besonders hervorzuheben ist auch Dr. Neves’ Dokumentarfilm „Not Dead Yet“, der im Frühjahr 2025 mit der „Fejos Postdoctoral Fellowship in Ethnographic Film“ ausgezeichnet wird. Der Film thematisiert das Leben zweier Theaterdarsteller*innen, die in einem Zirkuswagen leben und einem Schweizer Arzt begegnen, der Sterbehilfe leistet. Dieses Projekt ist ein weiteres Beispiel für sein Engagement, die komplexen Menschheitsfragen rund um den Tod und Sterbehilfe zu erforschen.
Natrium-Pentobarbital im Fokus der Diskussion
Natrium-Pentobarbital, auch bekannt unter dem Handelsnamen Nembutal, hat sich über die Jahre als zentrales Element in der Debatte um Sterbehilfe und euthanasie bewährt. Historisch gesehen wurde Pentobarbital überwiegend zur Anästhesie und Sedierung verwendet, hat jedoch zunehmend an Bedeutung im Rahmen der Sterbehilfe gewonnen. Seine Wirkweise, die durch die Hemmung des zentralen Nervensystems zu Schlaf, Bewusstlosigkeit und schließlich Atemstillstand führt, ist auch Gegenstand von ethischen und moralischen Diskussionen.
In Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden und Belgien wird Nembutal unter ärztlicher Aufsicht zur Sterbehilfe verschrieben, was die Notwendigkeit von Regelungen und einer verantwortungsbewussten Anwendung unterstreicht. Vor allem in den US-Bundesstaaten mit Gesetzen zum würdigen Sterben dürfen Ärzte Pentobarbital zur Unterstützung einer beabsichtigten Sterbehilfe einsetzen. Daher ist der Zugang zu Pentobarbital ein umstrittenes Thema in der Öffentlichkeit, das sowohl das Recht auf ein würdevolles Sterben als auch Bedenken hinsichtlich möglichem Missbrauch behandelt.
Die wachsende Zahl von Online-Suchanfragen nach Nembutal verdeutlicht das Interesse an Sterbehilfe und dokumentiert die Widersprüche, die mit den nationalen Gesetzgebungen verbunden sind. Während Befürworter für offene Zugänge plädieren, warnen Kritiker vor den Gefahren gefälschter Medikamente und rechtlichen Konsequenzen beim Versuch, Nembutal zu beschaffen. Diese Diskussionen sind nicht nur auf informierte Bürger angewiesen, sondern erfordern auch Reformen in Ländern, in denen Optionen zur Sterbehilfe nicht legal sind, um die Bedürfnisse und Rechte von Patienten zu wahren und die öffentliche Gesundheit zu sichern.
Die übergreifende Forschung von Dr. Neves zu Natrium-Pentobarbital könnte wichtige Einsichten über die Rolle eines Medikaments in der globalen Debatte über Sterbehilfe bieten, wie auch zwischenmenschliche Dynamiken in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod.