Im Sommersemester 2026 widmet sich die Universität zu Lübeck in ihrer Vorlesungsreihe „Wissenschaft unter Druck“ den Herausforderungen, denen die Wissenschaft heute gegenübersteht. Die Vorträge sollen dabei nicht nur die Gefahren beleuchten, sondern auch die Potenziale der Resilienz der Wissenschaft aufzeigen. In demokratischen Gesellschaften wird die Wissenschaft nicht nur von externen Faktoren beeinflusst, sondern leidet auch unter populistischen Strömungen, die ihre Grundlagen angreifen.

Die erste Vorlesung findet am 15. April statt, wenn Uwe Schimank aus Bremen über „Gefährdungen der Wissenschaftsfreiheit – offene und heimliche“ referiert. Es folgt am 29. April Jan Groos aus Berlin, der sich mit dem Thema „Demokratischer Wandel und Wissen“ auseinandersetzt. Diese Themen sind besonders relevant, wenn man einen Blick auf die Entwicklungen in den USA wirft, wo populistische Figuren wie Donald Trump die Wissenschaft unter Druck setzen, indem sie Forschung lächerlich machen und Wissenschaftler persönlich angreifen, um das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse zu untergraben. Süddeutsche.de beschreibt, wie solche populistischen Ideologien gerade in Bezug auf das Thema Klimawandel und Umweltauflagen zu einem gefährlichen Klima führen können.

Der Druck auf die Wissenschaft

Die Vorlesungsreihe in Lübeck thematisiert auch, wie populistische Bewegungen in Deutschland – wie die AfD – gezielt Angriffe auf die Klimaforschung und andere Forschungsbereiche führen. Die Sorge um die Wissenschaftsfreiheit ist begründet: Politische Eingriffe können die Autonomie von Hochschulen gefährden und die Wahl der Forschungsthemen beeinflussen. Ein Beispiel dafür ist die „Fördergeldaffäre“ rund um Bettina Stark-Watzinger, die aufzeigt, wie schnell politische Eingriffe Realität werden können.

Am 13. Mai wird Frieder Vogelmann aus Freiburg über die Beziehung zwischen Politik und Wissenschaft sprechen, und am 21. Mai behandelt Paula Irene Villa aus München, ob Wissenschaft „nützlich, relevant und ihr Geld wert“ ist. Diese Fragestellungen sind angesichts der aktuellen Debatten um die Wahrheitsfindung und die Verbreitung von Fake News besonders bedeutend. Richard Feynman sagte einmal: „Wissenschaft ist der Glaube an die Unwissenheit von Experten.“ Diese Weitsicht ist insbesondere in einer Zeit nötig, in der Wissenschaft als Bedrohung für populistische Narrative wahrgenommen wird.

Energie für den Dialog

Der gesamte Vortragszyklus soll nicht nur auf die Bedrohungen hinweisen, sondern auch die Verantwortung der Wissenschaftler betonen, aktiv zu kommunizieren und Position zu beziehen. Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Fakten und die Entlarvung von Falschinformationen sind essenziell, um die Wissenschaftsfreiheit zu verteidigen. Es ist kein Zufall, dass der letzte Vortrag am 8. Juli von Andreas Killen aus New York und Karin Harrasser aus Wien die Erfahrungen mit wissenschaftlichem Druck auch aus internationaler Perspektive beleuchtet.

Die Vorträge beginnen jeweils um 18:30 Uhr im Hörsaal des IMGWF/ZKFL in der Königstr. 42, 23552 Lübeck. Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Diese wertvolle Reihe könnte ein wichtiges Forum bieten, um gerade in der aktuellen Lage interdisziplinäre Perspektiven zu gewinnen und um zu zeigen, wie Wissenschaft unter Druck widerstandsfähig bleiben kann. Begleitend dazu wird ein Wahlfachpflichtseminar für Studierende aller Richtungen angeboten, um auch die nächste Generation von Wissenschaftlern bereits früh für diese wichtigen Themen zu sensibilisieren.

Weitere Informationen sind auf den Webseiten der Universität zu Lübeck und des ZKFL zu finden.