Grüne Chemie ist mehr als ein Trend – sie ist ein zukunftsweisendes Arbeitsfeld, das maßgeblich dazu beitragen kann, die chemische Industrie nachhaltiger zu gestalten. Professor Dr. Armido Studer ist ein herausragendes Beispiel für das, was in diesem Bereich möglich ist. Die Auszeichnung mit dem Leibniz-Preis 2026, die am 20. März 2026 im Rahmen des „Fests der Spitzenforschung“ in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überreicht wurde, würdigt seine bedeutenden Beiträge zur nachhaltigen Syntheseforschung.
Prof. Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), überreichte den Preis an Studer, der seit 2004 im Bereich der organischen Radikalen an der Universität Münster lehrt. Mit einer Dotierung von rund 2,5 Millionen Euro ist der Leibniz-Preis eine der höchsten Auszeichnungen, die ein deutscher Wissenschaftler erhalten kann. Insgesamt wurden 144 Nominierungen eingereicht, doch nur zehn Forscher hatten die Ehre, bei der feierlichen Veranstaltung ausgezeichnet zu werden.
Ein Pionier der Radikalchemie
In der Laudatio wurde Studer als „weltweiter Pionier für grüne Radikalchemie“ gewürdigt. Sein Forschungsansatz beleuchtet insbesondere Verfahren zur Wasserspaltung, um klimafreundlichen Wasserstoff zu gewinnen. Hierbei nutzt er die Photokatalyse, um Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Solche Verfahren sind nicht nur innovativ, sondern tragen auch direkt zur Transformation der chemischen Industrie bei.
Studer selbst bezeichnete den Preis als „berühmtes Tüpfelchen auf dem i meiner Karriere“ und plant, die Preisgelder für intensive Forschung und die Verwertung kreativer Ideen zu nutzen. Solche Vorhaben passen perfekt in den aktuellen Trend der nachhaltigen Chemie, der unter dem Motto „Accelerating Green Chemistry“ steht. Diese Initiative unterstützt die chemische Industrie bei ihrer Transformation hin zu nachhaltigeren Praktiken.
Die Vorteile der Grünen Chemie
Grüne Chemie, die in den späten 1990er Jahren als Begriff geprägt wurde, verfolgt das Ziel, chemische Prozesse und Produkte umweltfreundlicher zu gestalten. Die „12 Principles of Green Chemistry“ und die „12 Principles of Green Engineering“ bieten dabei Leitlinien für die Entwicklung nachhaltiger Produkte. Dabei wird unter anderem der Einsatz nachwachsender Rohstoffe, die Minimierung des Energieeinsatzes und der Chemikalienmenge sowie die Verwendung von Recyclaten und Kohlendioxid als Rohenstoffe betont.
Die Chemie ist in vielen Lebensbereichen präsent – von Fahrzeugen über Körperpflege bis hin zur Medizin. Der Erfolg einer nachhaltigen Chemie beginnt beispielsweise bereits bei der Auswahl der Rohstoffe und setzt sich durch eine grüne Prozessführung bis zum Endprodukt fort. All dies zielt darauf ab, ungefährliche Produkte mit guter biologischer Abbaubarkeit und Recyclierbarkeit herzustellen. Lebenszyklusanalysen und grüne Kennzahlen ermöglichen dabei eine umfassende Bewertung der gesamten Wertschöpfungskette.
Die Auszeichnung von Armido Studer ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um grüne Ansätze in der chemischen Industrie weiter voranzutreiben. Sein Engagement und seine Forschung könnten nicht nur seine Karriere, sondern auch die gesamte Branche beeinflussen und inspirieren.
Weitere Informationen zur Preisverleihung finden Sie auf den Seiten der Universität Münster und zu den genannten Initiativen der DFG sowie der Fraunhofer-Allianz Chemie.