Was haben historische Gebäude und moderne Technologie gemeinsam? Eine spannende Forschungsgemeinschaft in Ilmenau hat es sich zur Aufgabe gemacht, die akustische Identität dieser Monumente zu bewahren. Die Technische Universität Ilmenau und das Fraunhofer IDMT setzen auf präzise akustische Erfassungen, um den Klang von Instrumenten und Räumen auf digitalem Wege zu dokumentieren und zu rekonstruieren. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant, wenn man an den Brand der Notre-Dame-Kathedrale im April 2019 denkt, der die Akustik des beeindruckenden Bauwerks nachhaltig verändert hat. Die TU Ilmenau berichtet, dass Brian F.G. Katz, ein versierter Akustik-Experte, die Klänge der Kathedrale vor dem Brand präzise vermessen hatte, was nun in der Rekonstruktion der historischen Akustik von zentraler Bedeutung ist, insbesondere beim Wiederaufbau.
Jüngst, Anfang März, haben die Forscher akustische Messungen an der Orgel sowie im Kirchenraum der St. Jakobuskirche in Ilmenau durchgeführt. Dr. Lukas Treybig und Georg Stolz von der TU Ilmenau, zusammen mit Dr. Florian Klein und Dr. Andrew McLeod vom Fraunhofer IDMT, setzen dabei auf einen innovativen Ansatz: einen autonom navigierenden Akustikmessroboter, der durch die Ilmenauer MetraLabs GmbH entwickelt wurde. Mit diesem Roboter wollen die Wissenschaftler präzise den Klang der Orgel und die Wechselwirkungen im Kirchenraum erfassen.
Die Technologie hinter der Forschung
Das Team verwendet Mikrofone, um sowohl einzelne Töne als auch den Gesamtschall im Raum zu messen. Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Forschung könnte sein, dass akustische Lösungen in historischen Gebäuden nicht nur schön klingen, sondern auch funktional und nachhaltig sind. Der Einsatz solcher Technologien könnte dabei helfen, das akustische Erbe zu bewahren und gleichzeitig den Anforderungen moderner Akustik gerecht zu werden. Wie die Brandenburgische Ingenieurkammer aufzeigt, ist eine gute Akustik in denkmalgeschützten Räumen entscheidend für deren Nutzung und Erhalt.
Beispielsweise können historische Oberflächen, die unter Denkmalschutz stehen, nicht ohne Weiteres verändert werden. Das führt oft zu Herausforderungen in der Akustik, vor allem in großen Räumen wie Kirchen. Fehlende schallabsorbierende Materialien begünstigen Halligkeit und den erhöhten Lärmpegel. In diesem Kontext zeigen Methoden, wie in Verfahren zur Akustikverbesserung in historischen Gebäuden, dass innovative Lösungen möglich sind, ohne die Struktur zu gefährden oder den Charakter solcher Bauwerke zu beeinträchtigen.
Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat erfolgreich Methoden erprobt, die den Denkmalschutz respektieren und gleichzeitig die Akustik verbessern. Diese Lösungen beinhalten die Verwendung von schallabsorbierenden Materialien, die in Nischen und Öffnungen installiert werden, sowie flexible und nicht-invasive Maßnahmen wie akustisch wirksame Vorhänge. Diese Technologien könnten der Schlüssel dazu sein, um den Klang vergangener Zeiten ins Hier und Jetzt zu holen und auch für zukünftige Generationen erlebbar zu machen – ganz im Sinne der Bemühungen rund um die Notre-Dame-Kathedrale und viele andere historische Gebäude.
Diese Entwicklungen in der akustischen Forschung verdiendn also nicht nur Aufmerksamkeit, sondern könnten auch dazu beitragen, das kollektive Gedächtnis an die Klänge der Vergangenheit lebendig zu halten.



