Am 7. April 2026 fanden sich zahlreiche Gäste zur Eröffnung des Sommersemesters an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) zusammen. Im Rahmen dieser festlichen Veranstaltung wurden drei herausragende Absolventinnen mit dem Innovationspreis des Frankfurter Oberbürgermeisters ausgezeichnet. Oberbürgermeister Axel Strasser übergab die Preise, die insgesamt mit 2.500 Euro dotiert sind, und würdigte die Leistungen der Preisträgerinnen.
Die ausgezeichneten Absolventinnen sind Julia Stroner, Alexandra Schäfer und Paulina Holzer. Ihre Abschlussarbeiten beleuchten verschiedene Aspekte der heutigen Gesellschaft und legten einen besonderen Fokus auf das Erinnern an die Vergangenheit.
Preisträgerinnen und ihre Themen
- Julia Stroner: Sie erhielt den ersten Preis in Höhe von 1.200 Euro für ihre Bachelorarbeit „Das Auge des Zaddik“, die sich mit einer nachhaltigen Erinnerungskultur und dem Gedenken an die verschwundene Synagoge in Frankfurt (Oder) befasst.
- Alexandra Schäfer: Mit ihrer Masterarbeit zur europäischen Wasserpolitik im deutsch-polnischen Odereinzugsgebiet wurde sie mit dem zweiten Platz (800 Euro) ausgezeichnet. Ihre Arbeit untersucht die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.
- Paulina Holzer: Sie erhielt den dritten Platz (500 Euro) für ihre Bachelorarbeit zu den Auswirkungen der ukrainischen Migration auf den polnischen Arbeitsmarkt in Słubice. Ihre Analyse behandelt die Integration ukrainischer Migrant*innen und deren Einfluss auf die Stabilisierung des Arbeitsmarktes in Słubice.
Die Preisverleihung fand in der Mensa der Universität mit Blick auf die Oder in Richtung Polen statt, was symbolisch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen steht.
Förderung von Forschung zur jüdischen Kultur
Die Viadrina engagiert sich nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Forschung. Die Hans-Böckler-Stiftung hat kürzlich das interdisziplinäre Promotionskolleg „Gebrochene Traditionen? Jüdische Literatur, Philosophie und Musik im NS-Deutschland“ ins Leben gerufen, das mit rund 900.000 Euro gefördert wird. Ab dem Sommersemester 2024 werden hier neun Promovierende an drei Hochschulen – der Europa-Universität Viadrina, der Goethe-Universität Frankfurt (Main) sowie der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar – forschen.
Dieses Kolleg hat sich der Untersuchung intellektueller und künstlerischer Aktivitäten von Jüdinnen und Juden im NS-Deutschland verschrieben und reagiert auf die heute noch bestehende Unterrepräsentation jüdischer Wissenschaftler und Künstler in der akademischen Auseinandersetzung mit dieser Zeit. Es wird am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg angesiedelt und strebt eine Erweiterung des Wissens über das jüdische Leben in einer der dunkelsten Perioden der deutschen Geschichte an.
Die aktuellen Entwicklungen an der Europa-Universität Viadrina reflektieren auch eine breitere gesellschaftliche Bewegung hin zu einem tiefergehenden Verständnis der jüdischen Geschichte. Diese war lange Zeit unterrepräsentiert, und erst mit der Gründung der Weimarer Republik erlangten Juden in Deutschland vollständige rechtliche Gleichstellung. Doch die Verfolgungen im Nationalsozialismus führten dazu, dass viele jüdische Gelehrte emigrierten oder unterdrückt wurden. Ein nachhaltiger Erinnerungsprozess ist also zentral für die heutige Forschungslandschaft.
Die Wissenschaft zur jüdischen Geschichte in Deutschland befindet sich im Wandel und wird geprägt von den Bemühungen, die Vergangenheit aufzuarbeiten, Respekt vor der Vielfalt zu zeigen und einen Raum für die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer Verfolgung zu schaffen. Die aktuellen Projekte an der Viadrina sind Teil dieser dynamischen und wichtigen Diskussionen.