Immer mehr Städte der arabischen Golfregion positionieren sich als attraktive Bildungszentren auf globalem Niveau. In der letzten Zeit haben insbesondere Doha, Dubai und Ras al-Khaimah Transnational Education Zones (TEZ) eingerichtet, um internationale Universitäten anzuziehen. Diese TEZ bieten nicht nur eine ideale Infrastruktur, sondern auch niedrige administrative Hürden sowie ein internationales akademisches Umfeld. Damit entsteht ein einzigartiger Standort, der sowohl für Studierende als auch für Forschungseinrichtungen viele Vorteile bietet. Die Brandenburgische Technische Universität berichtet, dass die Städte damit hochqualifizierte Fachkräfte anziehen und Innovationen sowie internationale Sichtbarkeit gewinnen wollen.
Zudem zieht ein wettbewerbsfähiger globaler Lebensstil Studenten aus aller Welt an, was den Universitäten eine neue Dimension des internationalen Austausches eröffnet. Die günstigen Baugrundstücke und die internationalen Studierendenströme werden von den Hochschulen als große Chancen betrachtet. Allerdings können die Ergebnisse dieser Strategien sehr unterschiedlich ausfallen. So verstärken die ausländischen Abschlüsse oftmals bestehende Ungleichheiten in der Region.
Ökonomische Transformation durch Bildung
Das Konzept der TEZ spielt eine zentrale Rolle in den Bestrebungen, von einer Rohstoff- zu einer Wissensökonomie zu wechseln. Die Stadtstaaten erhoffen sich von den internationalen Universitäten auch eine transformative Wirkung auf die lokale Ökonomie. Ein aktuelles Policy Paper der Nachwuchsgruppe TRANSEDU am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung beleuchtet, dass die Erwartungen oft nicht erfüllt werden. Dort wird untersucht, wie Hochschulzweigstandorte zu ökonomischer Transformation beitragen können – und welche Herausforderungen sich dabei ergeben.
Ein zentrales Anliegen ist, dass die Bedürfnisse der Gastländer und die Ziele der Hochschulen oft nicht auf einen Nenner kommen. Die Regierungen dieser Länder setzen häufig andere Prioritäten als die Universitäten selbst, was die Entwicklung und Integration dieser Bildungsstandorte in die lokale Wirtschaft erschwert.
Strategien für erfolgreiche Bildungs-Hubs
Ein weiterer Punkt, der in dem Policy Paper herausgestellt wird, ist die Notwendigkeit angemessener Rahmenbedingungen zur Regulierung der transnationalen Hochschulbildung. Dies soll helfen, zweifelhafte Anbieter zu vermeiden und Konflikte mit lokalen Hochschulsystemen zu reduzieren. Externe Anreize scheinen unerlässlich zu sein, um die lokale Verankerung von Zweiguniversitäten zu fördern. Nur so können Synergieeffekte mit der lokalen Wirtschaft generiert werden und der geforderte Austausch von Wissen und Ressourcen erfolgen.
Die Forschung zu diesem Thema ist vielfältig und wird unter anderem von Dr. Tim Rottleb vorangetrieben. Seine Dissertation mit dem Titel „Building the Knowledge Economy, Transforming Cities?“ widmet sich den Auswirkungen von TEZ. Seit Januar 2025 arbeitet Dr. Rottleb als Postdoc an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und leitet ab Februar 2026 die Projektforschungsgruppe „Vitalisierung regionaler Innovationssysteme in peripheren Räumen“. Seine Arbeit beleuchtet die Herausforderungen der regionalen Entwicklung, Globalisierung und Wissensökonomie und trägt zur Diskussion um die Rolle der transnationalen Bildungseinrichtungen bei.



