Wie präzise können wir in passive Investments wie ETFs (Exchange Traded Funds) investieren? Dies ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine mathematische Frage, die vier Bremer Wissenschaftler aktuell auf beeindruckende Weise beantwortet haben. Sie haben ein Verfahren entwickelt, das die Genauigkeit von Indexfonds deutlich steigert, ohne dabei die Kosten in die Höhe zu treiben. Die Studie, die im European Journal of Operational Research veröffentlicht wurde, trägt den Titel „Enhancing Index-Tracking Performance: Leveraging Characteristic-Based Factor Models for Reduced Estimation Errors“.
Das Ziel ihrer Arbeit? Passiv verwaltete Fonds wie ETFs sollen besser in der Lage sein, den Deutschen Aktienindex (DAX) widerzuspiegeln. Es stellt sich heraus, dass viele aktuelle ETFs um bis zu 1,5 Prozent vom echten DAX abweichen, was vor allem auf ungenaue Replikationsmethoden zurückzuführen ist. Mit einem innovativen mathematischen Ansatz haben die Bremer Forscher wesentliche Unternehmensmerkmale wie Größe, Wachstum und Wert in den Auswahlprozess der Aktien integriert. Dieser Optimierungsansatz kontrolliert zudem die Anzahl der Aktien im Fonds, was für mehr Transparenz und Handhabbarkeit sorgt.
Der DAX – ein wichtiges Aktienbarometer
Der DAX gilt als das zentrale Aktienbarometer Deutschlands und umfasst seit dem 20. September 2021 die 40 größten börsennotierten Unternehmen des Landes. Er ist ein Performance-Index, das heißt, die Dividenden der Unternehmen fließen in seine Berechnung ein, was den Vergleich mit anderen Indizes wie dem Cac 40 oder FTSE erschweren kann. Aktien im DAX werden nach ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung gewichtet. Dabei ist es wichtig, dass mindestens 10 Prozent der Unternehmensaktien frei handelbar sind, um im DAX berücksichtigt zu werden. Einschränkungen, die beispielsweise Großaktionäre oder staatliche Anteile betreffen, sorgen zusätzlich für Stabilität bei der Indexzusammensetzung.
Die Deutsche Börse passt den DAX regelmäßig an: Zweimal jährlich gibt es umfassende Anpassungen, während vierteljährliche Überprüfungen auch kurzfristige Marktbewegungen berücksichtigen. Der DAX spiegelt etwa vier Fünftel des in Deutschland zugelassenen Börsenkapitals wider, dennoch sind viele große Unternehmen, wie etwa Continental, nicht im DAX vertreten. Neueste Zugänge zeigen zudem eine dynamische Entwicklung: Unternehmen wie Porsche und Commerzbank sind frisch im Index, während Firmen wie Lufthansa im Jahr 2020 austreten mussten.
ETFs zur Nutzung der DAX-Potenziale
Investoren, die von den Vorteilen des DAX profitieren wollen, können dies über DAX-ETFs tun. Aktuell stehen 11 verschiedene DAX-ETFs zur Verfügung, die sich sowohl in der Ausschüttungs- als auch in der Thesaurierungsform zeigen. Die Gesamtkostenquote dieser ETFs liegt zwischen 0,08% und 0,16% jährlich, was sie zu einer günstigeren Alternative zu aktiv verwalteten Fonds macht. Der größte DAX-ETF, der iShares Core DAX® UCITS ETF, bringt es auf ein Volumen von über 8,4 Milliarden Euro und hat eine TER von 0,16%, während der Amundi Core DAX UCITS ETF mit nur 0,08% p.a. der günstigste unter den DAX-ETFs ist.
Wer regelmäßig in DAX-ETFs investieren möchte, kann Sparpläne ab 1 Euro einrichten, was diese Form der Geldanlage besonders für junge Anleger attraktiv macht. Einige Online-Broker bieten sogar ETF-Sparpläne ohne Depotgebühr an, was die Altersvorsorge umso einfacher gestaltet.
Die neuen mathematischen Ansätze aus Bremen könnten nicht nur die Effizienz von DAX-ETFs steigern, sondern auch dazu beitragen, Anlegern eine noch präzisere und nachhaltigere Anlagemöglichkeit zu bieten. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten ist ein gutes Händchen bei Investitionen gefragter denn je.