Perfektionismus nimmt in unserer Gesellschaft immer mehr Raum ein und kann sowohl Antrieb als auch Belastung sein. Ein neuer Forschungsansatz an der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz in Bremen möchte dem Problem der übersteigerten Ansprüche auf den Grund gehen. Uni Bremen berichtet, dass perfektionsgetriebene Menschen nicht nur unter psychischen Störungen leiden, sondern dass diese auch den Verlauf solcher Erkrankungen negativ beeinflussen können.
Die Herausforderungen des Perfektionismus
Perfektionismus wird oft als eine positive Eigenschaft wahrgenommen, die mit Erfolg und Anerkennung einhergeht. Doch die Kehrseite ist häufig mit Stress, Angst und sogar Burnout verbunden. In vielen Lebensbereichen, insbesondere im Beruf, kann der Zwang nach Fehlerlosigkeit zu erhöhtem Leistungsdruck und einer gestörten Work-Life-Balance führen. Die Klinik Friedenweiler hebt hervor, dass trotz der positiven Aspekte Strategien benötigt werden, um mit den negativen Auswirkungen umzugehen.
Forschungen zeigen, dass Perfektionismus durch verschiedene Einflüsse verstärkt wird, darunter genetische, familiäre und gesellschaftliche Faktoren. Besonders in der heutigen Zeit, die von hohen Erwartungen in der Arbeitswelt und durch soziale Medien geprägt ist, wird der Druck auf Individuen zusätzlich erhöht. Dies führt nicht selten zu erheblichem psychischen Stress und kann ernsthafte Konsequenzen für die Gesundheit haben, wie Rueetschli erklärt.
Ein innovativer Therapieansatz
Mit dem neuen Projekt an der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz wird ein vorbildlicher Therapieansatz verfolgt, dessen Ziel die Entwicklung einer speziellen Gruppentherapie für Patient:innen mit perfektionistischen Tendenzen ist. Die Christoph-Dornier-Stiftung hat dieses Forschungsprojekt, das im März 2026 starten soll, mit rund 72.000 Euro finanziert. Das Konzept umfasst eine vierwöchige Gruppentherapie, die darauf abzielt, Flexibilität und Selbstmitgefühl zu fördern. Hierbei lässt sich auch die Wichtigkeit einer Akzeptanz erkennen: Perfektion ist unerreichbar, und „Fehler und Unvollkommenheit gehören zum Leben dazu“, wie es in den Therapieansätzen der Klinik Friedenweiler betont wird.
Diese neue Gruppentherapie wird Teil der „Gruppenpsychotherapeutischen Grundversorgung“ sein, die durch ihre niedrigschwelligen Anforderungen Anreize für viele Therapieanbieter schaffen könnte. Die Perspektive auf die Auswirkungen dieser Therapie auf das psychische Wohlbefinden der Patient:innen soll ebenfalls untersucht werden. Darüber hinaus sollen die möglichen Vorteile einer anschließenden Einzeltherapie erprobt werden.
Die Rekrutierung für die ersten Gruppen wird voraussichtlich im Herbst 2026 beginnen und könnte somit vielen Menschen helfen, ihre herausfordernden psychologischen Muster zu überwinden. Es ist eine spannende Entwicklung, die zeigt, dass es trotz aller Schwierigkeiten einen Lichtblick geben kann, indem man an der eigenen Selbstwahrnehmung arbeitet und lernt, Fehler als Teil des menschlichen Daseins zu akzeptieren.