Die Konferenz mit dem Titel „Authoritarianism as a Challenge for Democracy“ fand Ende Februar 2026 an der Medical School Hamburg (MSH) statt und ehrte die Holocaust-Überlebende und Sozialwissenschaftlerin Gerda Lederer. Diese bedeutende Veranstaltung, die sich dem Lebenswerk der Forscherin widmete, wurde von Prof. Dr. Angela Kindervater geleitet und versammelte renommierte Kolleg:innen und Angehörige aus den USA und Österreich, die ihre Arbeiten und Erinnerungen an Lederer teilten. MSH berichtet, dass die Konferenz ein breites Spektrum an Themen abdeckte, darunter rechtsextreme Einstellungen, soziale Polarisierung und die Auswirkungen der Digitalisierung sowie der Künstlichen Intelligenz.
Gerda Lederer, geboren am 9. April 1926 in Wien, war als Forscherin und Zeitzeugin bekannt. Ihre Flucht vor den Nazis führte sie 1938 zunächst nach Paris und später nach New York, wo sie das Überleben im Exil meisterte. Lederer, die bis zu ihrem Tod 2025 in New York lebte, studierte Physik und Mathematik und vermittelte ihr Wissen an verschiedenen Bildungseinrichtungen, darunter das Westchester Community College und das Heilwig-Gymnasium in Hamburg. Ihre Arbeiten umfassten bedeutende Beiträge zur Antisemitismus- und Autoritarismusforschung, wie sie in mehreren Publikationen dargelegt sind, darunter „Der gewöhnliche Antisemitismus. Zur politischen Psychologie der Verachtung“. Wikipedia hebt hervor, dass ihr analytischer Ansatz die Rolle von Sozialisationskontexten im Verständnis autoritärer Strukturen betonte.
Gerda Lederers Vermächtnis
Die Konferenz würdigte während der zwei Tage die Errungenschaften von Lederer und ihren Einfluss auf zukünftige Generationen von Wissenschaftler:innen. Es wurden empirische Studien und theoretische Arbeiten vorgestellt, die sich mit der früheren Identifikation von Gefahren für demokratische Gesellschaften befassten. Ihr Anliegen war es, gesellschaftliche Entwicklungen einzuordnen und Impulse für Bildung und Erziehung abzuleiten. Diese Ansätze sind heute relevanter denn je, angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen, die von Polarisierung und Extremismus geprägt sind.
Eines der zentralen Themen war auch der Antisemitismus in seiner gegenwärtigen Form. Der sogenannte Post-Shoah-Antisemitismus, der beispielsweise in der Relativierung der Shoah oder der Forderung nach einem Schlussstrich unter die NS-Verarbeitung sichtbar wird, spielt eine wichtige Rolle in gesellschaftlichen Debatten. In der sogenannten MEMO-Studie von 2020 unterstrich eine Vielzahl von Befragten die Neigung zur Schuldumkehr, indem sie angaben, dass ihre Vorfahren während der NS-Zeit nicht zu den Tätern gehörten, obwohl die tatsächlichen Zahlen das Gegenteil belegen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, das Erbe von Gerda Lederer in der aktuellen Forschung aufrechtzuerhalten und sich den Herausforderungen von Antisemitismus in allen seinen Formen zu stellen. Ein solcher Ansatz ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass der Begriff des Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz zu verstehen ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert, welche Bedeutung die Erinnerungskultur für die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit hat und warum sie für die Zukunft unverzichtbar ist.