Dank neuer Erkenntnisse aus der Forschung an der Universität Hamburg rückt das Verständnis der Entscheidungsprozesse im menschlichen Gehirn und deren Auswirkungen auf psychische Störungen in den Fokus. Dr. Matthias Pillny und sein Team arbeiten mit einem innovativen Ansatz, um Therapieansätze zu entwickeln, die Menschen mit psychischen Erkrankungen helfen sollen, ihre Motivation für alltägliche Aktivitäten zu steigern. In einer umfangreichen Metastudie, die mittlerweile 68 Studien mit über 3.700 Teilnehmenden umfasst, wurden zentrale Mechanismen identifiziert, die das Entscheidungsverhalten bei Betroffenen beeinflussen. uni-hamburg.de berichtet, dass insbesondere Personen mit Depressionen und bipolaren Störungen die Anstrengungen zur Zielerreichung als zu hoch empfinden und den Nutzen ihrer Bemühungen als gering einschätzen.
Ein häufig beobachtetes Phänomen unter diesen Betroffenen ist die Schwierigkeiten, positive Ergebnisse in der Zukunft vorzustellen, was zu einer lähmenden Perspektivlosigkeit führt. Diese Wahrnehmung, dass der Aufwand unüberwindbar ist, wird durch die häufig unzureichende Wirksamkeit herkömmlicher Ermutigungen verstärkt, die oft Druck erzeugen anstatt Hilfe zu bieten. Auf der anderen Seite könnte gezielte Therapieansätze, die sogenannte Empfindungen wie Vorfreude aktivieren – etwa durch Visualisierungen – effektiver sein.
Das Zusammenspiel von Kognition und Emotion
Doch warum fällt es Menschen mit psychischen Störungen schwer, Chancen zu erkennen oder richtig einzuschätzen? Die Forschung psy.uni-hamburg.de zeigt, dass menschliches Entscheidungsverhalten oft nicht ganz rational ist. Historisch wurde versucht, die Entscheidungen anhand des Modells des homo oeconomicus zu erklären – einem idealen, rationalen Entscheider. Doch die Realität ist vielschichtiger. Heuristiken und kognitive Verzerrungen beeinflussen unseren Handlungsdrang, besonders wenn Zeit, Informationen oder kognitive Ressourcen limitiert sind. So kann Stress, vermittelt durch Hormone wie Glucocorticoide, dazu führen, dass Menschen zu gewohnheitsbasiertem Verhalten tendieren, was insbesondere in kritischen Entscheidungssituationen von Nachteil sein kann.
Die Metastudie von Pillny zeigt nicht nur die Unterschiede zwischen den Entscheidungsprozessen bei Depressionen, bipolaren und Schizophrenie-Spektrum-Störungen auf, sondern lässt auch vermuten, dass hier eine zentrale Verbindung zwischen diesen Störungen besteht, die bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Neue Ansätze zur Entscheidungsforschung
Ergänzende Informationen aus der neurowissenschaftlichen Perspektive bestätigen die Relevanz neuer Technologien im Bereich der Entscheidungsforschung. Innovative Methoden wie fMRI und EEG ermöglichen es, die neuronalen Prozesse, die unseren Entscheidungen zugrunde liegen, in Echtzeit zu beobachten. Dies zeigt nicht nur, wie vergangene Investitionen unsere Entscheidungen beeinflussen, sondern auch, dass es klare neuronale Netzwerke gibt, die strategisches Verhalten steuern. cordis.europa.eu hebt hervor, dass Fortschritte in der Verhaltensökonomie und die Anwendung der Spieltheorie helfen, besser zu verstehen, wie Menschen in sozialen Entscheidungssituationen agieren.
Diese Erkenntnisse könnten entscheidend sein, um Therapieansätze zu verbessern und möglicherweise die Lebensqualität von Menschen mit psychischen Störungen erheblich zu steigern. Ziel ist es, durch ein besseres Verständnis der Mechanismen, die unser Entscheidungsverhalten prägen, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die sowohl im klinischen als auch im alltäglichen Umgang mit Motivationsproblemen eingesetzt werden können.



