Die Herausforderung der Abfallbewirtschaftung in Daressalam, Tansanias größter Stadt, stellt sich als drängendes Umweltproblem dar. Im Februar 2026 traf sich ein internationales Projektteam mit lokalen Partnern, um einen strategischen Aktionsplan zu entwickeln, der die Abfallwirtschaft der Stadt verbessern soll. Ein erschreckender Umstand ist, dass jährlich etwa 22.500 Tonnen Plastikmüll aus Daressalam in den Indischen Ozean gelangen, was massive Auswirkungen auf die dortige Biodiversität hat. Laut einem UN-Umweltbericht machen Kunststoffe über 85 % der Meeresabfälle aus, was nicht nur die Lebensräume im Ozean bedroht, sondern auch das Überleben zahlreicher mariner Arten gefährdet.
Die HafenCity Universität Hamburg (HCU) koordiniert das Projekt, das auch von UN-Habitat, der Ardhi University, der Bremen Overseas Research and Development Association (BORDA) und SweepSmart B.V. (SWS) unterstützt wird. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUKN) und ist auf drei Jahre angelegt. Das Ziel ist es, die Abfallwirtschaft in dieser wachsenden Metropole zu transformieren und eine nachhaltige Strategie zur Reduktion von Kunststoffabfällen zu entwickeln.
Die Vitalität des indischen Ozeans
Dar es Salaam liegt in einem marinen Lebensraum, der eine Vielzahl an Arten beherbergt. Schätzungen zufolge leben in diesen Gewässern bis zu 1.300 Arten auf jedem Quadratmeter, wobei 15 Prozent von ihnen endemisch sind. Der Lebensraum ist von zentraler Bedeutung für die Fischerei und den Tourismus und liefert essentielle Nahrungsquellen. Doch der Plastikmüll aus dem Msimbazi-Flussbecken gefährdet nicht nur diese Arten, sondern auch die Küstenlebensräume wie Mangrovenwälder, Algen, Seegräser und Korallenriffe. Diese Ökosysteme sind nicht nur wichtig für die marine Biodiversität, sie unterstützen auch die lokale Wirtschaft und die Lebensgrundlage vieler Menschen.
Die Abfallwirtschaft in der Stadt ist durch unzureichende Infrastruktur, schwache Gesetzgebung und fehlende Fachkompetenz geprägt. Um diesen Missstand zu beheben, müssen Maßnahmen zur Verbesserung der städtischen Abfallwirtschaftsinfrastruktur ergriffen werden. Dazu gehört der Ausbau der Kapazitäten von lokalen Behörden und Abfallarbeitern sowie die Förderung von Fachwissen über Abfallmanagement.
Strategische Maßnahmen zur Veränderung
Das Projekt sieht zahlreiche konkrete Maßnahmen vor, darunter:
- Verbesserung und Ausbau der städtischen Abfallwirtschaftsinfrastruktur.
- Stärkung der nationalen abfallwirtschaftlichen Gesetzgebung.
- Kapazitätsaufbau für Akteure aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft.
Ein wichtiges Element des Projekts ist die Entwicklung eines gemeinsamen Strategieplans für die kommunale Abfallwirtschaft in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Fachliche Workshops und Konsultationen mit verschiedenen Interessengruppen sind Teil des Prozesses, um klare Ziele und Verantwortlichkeiten zu definieren. So fand bereits eine stadtweite Konsultation am 24. Februar statt, in der die Stakeholder zusammenkamen, um ihre Perspektiven einzubringen.
Die Strömungen der Meeresverschmutzung sind jedoch nicht nur ein Problem von Dar es Salaam. Jährlich gelangen mehr als 10 Millionen Tonnen Abfälle in die Ozeane. Über 75 % davon sind Kunststoffe. Diese Abfälle kosten viele Meerestiere das Leben, da etwa Wale, Delfine und Schildkröten sich in alten Fischernetzen verfangen oder Plastik mit Nahrung verwechseln. Außerdem zersetzen sich Kunststoffe nur langsam und setzen dabei gefährliche Chemikalien frei, die sich in der Nahrungskette anreichern können (NABU).
Das geplante Projekt in Daressalam könnte als Vorbild für andere schnell wachsende Städte dienen, die ähnliche Herausforderungen in ihrer Abfallwirtschaft bewältigen müssen. Ein gut funktionierendes Abfallmanagement ist nicht nur für den lokalen Umweltschutz von Bedeutung, sondern auch für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen, die von diesen marinen Ressourcen abhängen. Aktuelle Informationen und Entwicklungen zum Projekt finden Interessierte auf der Projektwebsite.