Die gesellschaftliche Debatte um den Faschismus hat in den letzten Jahren an Intensität gewonnen, und die anstehenden Tagung „Das Gespenst des Faschismus“ in Konstanz zielt darauf ab, dieser Thematik mit wissenschaftlicher Schärfe zu begegnen. Vom 26. bis 27. März 2026 werden in der Bischofsvilla rund zwanzig ExpertInnen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften zusammenkommen, um über historische Vergleiche verschiedener politischer Konstellationen sowie die kulturellen und sozialen Dimensionen des Faschismus zu diskutieren. Veranstaltet wird die Tagung von den Universitäten Konstanz und Münster in Kooperation mit dem Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung (ZKF) Konstanz und der Volkshochschule Landkreis Konstanz. Die Organisation liegt in den Händen von Sven Reichardt und Levent Tezcan von der Universität Münster sowie Özkan Ezli, ebenfalls von der Universität Münster. Universität Konstanz berichtet, dass die Teilnehmenden sich auf Aspekte wie die Analyse rassistischer und antifeministischer Feindbilder im Faschismus konzentrieren werden.
Der Faschismus ist ein historisches Phänomen, das von vielen Wissenschaftlern als Oberbegriff für verschiedene, unterschiedlich ausgelegte, rechtsgerichtete und antidemokratische Bewegungen oder Diktaturen definiert wird. Während verschiedene Faschismustheorien existieren, die sich mit den charakteristischen Merkmalen und Ursachen des Faschismus befassen, gibt es keinen Konsens über dessen spezifische Entstehungsbedingungen. Der Begriff hat sich zwar von einem historischen Begriff zu einem Bestandteil der Alltagsrhetorik entwickelt, doch wichtige Wissenschaftler wie Matthew Lyons oder Robert O. Paxton bieten differenzierte Sichtweisen, um das komplexe Phänomen zu erfassen. So versteht Paxton Faschismus als politischen Prozess, der in fünf Phasen abläuft: von der intellektuellen Artikulation über die Mobilisierung bis hin zur Machtsicherung und Radikalisierung Wikipedia.
Öffentlicher Abendvortrag und Online-Angebot
Ein Höhepunkt der Tagung wird der öffentliche Abendvortrag „Ist es Faschismus?“ von Jan Philipp Reemtsma sein, der am 26. März um 19.30 Uhr im Astoria Saal der VHS Konstanz stattfindet. Reemtsma, ein herausragender Literatur- und Sozialwissenschaftler, ist zudem Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung und Ehrendoktor der Universität Konstanz. Der Vortrag ist kostenlos und für alle Interessierten zugänglich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. MedienvertreterInnen sollten sich jedoch im Voraus registrieren, da die Plätze begrenzt sind. Zudem kann die Öffentlichkeit die Tagung über eine Online-Plattform besuchen, für die ein Zugangscode angefordert werden muss Universität Konstanz.
Faschismus ist nicht nur in der historischen Analyse von Bedeutung, sondern bleibt auch in aktuellen politischen Debatten ein heiß diskutiertes Thema. Der Begriff wird häufig ohne die notwendige analytische Präzision gebraucht, was seine ursprüngliche Bedeutung verwässern kann. Ein kritischer Blick darauf, wie das Wort im Alltag verwendet wird, zeigt die Gefahr, dass es als Chiffre für „das Böse“ missbraucht wird. Die Wissenschaft ist gefordert, hier Klarheit zu schaffen und die Debatte durch differenzierte Analysen zu bereichern FEXBW.
Die Tagung und der Vortrag von Reemtsma stellen somit einen wichtigen Schritt dar, um das Gespenst des Faschismus nicht nur zu benennen, sondern auch aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und aktuellen Phänomenen auf den Grund zu gehen.