Die Kunsthalle Gießen wird ab dem 22. August 2025 eine bemerkenswerte Ausstellung unter dem Titel „(Un)Sichtbarkeit von Gewalt“ präsentieren. Diese Schau, die bis zum 2. November 2025 geöffnet sein wird, behandelt verschiedene Facetten von Gewalt, einschließlich struktureller, psychischer und geschlechtsspezifischer Gewalt, mit einem besonderen Fokus auf die oft unsichtbaren Aspekte, die insbesondere Frauen und Minderheiten betreffen. Der Eintritt zur Ausstellung und zur Eröffnung ist frei, wobei die Eröffnung am 22. August um 19 Uhr stattfindet.
In Kooperation mit dem hessischen Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“ (TraCe) wird die Ausstellung nicht nur kreative Ansätze zur Wahrnehmung von Gewalt vorstellen, sondern auch gesellschaftliche, politische und mediale Mechanismen untersuchen, die Gewalt sichtbar oder unsichtbar machen. Fragen zur Dokumentation, Instrumentalisierung und Zensur von Gewalt werden dabei zentrale Themen sein. Uni Gießen berichtet, dass die Kuratorinnen Theresa Deichert, Dr. Larissa-Diana Fuhrmann und Dr. Nadia Ismail für den künstlerischen Inhalt verantwortlich sind.
Vielfältige Perspektiven und Künstler:innen
Die Ausstellung wird Arbeiten von international renommierten Künstler:innen zeigen. Zu den Beteiligten gehören unter anderem:
- Mansoor Adayfi (Jemen, 1982): Ehemaliger Guantánamo-Häftling und Aktivist für Gefangenenrechte.
- Hiba Alansari (Libyen, 1983): Multidisziplinäre Künstlerin, die sich mit politischer Gewalt auseinandersetzt.
- Moath al-Alwi (Jemen, 1977): Ehemaliger Guantánamo-Häftling, der Kunstwerke aus recycelten Materialien gestaltet.
- Sami Al Haj (Sudan, 1969): Ehemaliger Journalist und Kameramann, der sich für Pressefreiheit einsetzt.
- Lucinda Devlin (USA, 1947): Fotografin mit Fokus auf die Dokumentation institutioneller Räume.
- Johanna-Maria Fritz (Deutschland, 1994): Dokumentiert das Leben in Konfliktgebieten.
- Mohammed el Gharani (Tschad/Saudi-Arabien, 1986): Ehemaliger Guantánamo-Häftling, der gegen die US-Haftpolitik protestiert.
- Roopa Gogineni (USA): Dokumentarfilmerin, die sich mit Historie und Konflikten in Ostafrika beschäftigt.
- Johannah Herr (USA, 1987): Künstlerin, die Konsum und staatliche Gewalt untersucht.
- Jonas Höschl (Deutschland, 1995): Konzeptkünstler, der politische Themen kreativ aufarbeitet.
- Šejla Kamerić (Bosnien-Herzegowina, 1976): Thematisiert Kriegstraumata und soziale Gerechtigkeit durch ihre Kunst.
- Rabih Mroué (Libanon, 1967): Reflektiert politische Themen als Künstler, Regisseur und Schauspieler.
- Kresiah Mukwazhi (Simbabwe, 1992): Behandelt postkoloniale und feministische Themen.
- Jean‑Gabriel Périot (Frankreich, 1974): Thematisiert Gewalt und kollektive Erinnerung.
- Thomson & Craighead (UK): Künstlerduo, das die Überwachungskultur untersucht.
- Total Refusal (Österreich): Kollektiv, das politisch-kritische Narrative durch Videospiele entwickelt.
- Helena Uambembe (Südafrika, 1994): Erforschung von kollektiven und persönlichen Erinnerungen.
- Emmanuel Van der Auwera (Belgien, 1982): Untersucht die Rolle von Bildern in der Mediengesellschaft.
Diese vielfältigen künstlerischen Perspektiven verdeutlichen die Komplexität des Themas Gewalt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Neben der Ausstellung ist ein Journal geplant, das in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen des TraCe-Forschungszentrums veröffentlicht werden soll. Ein Begleitpapier wird zudem auf der TraCe-Website verfügbar sein, um die wissenschaftlichen Aspekte der Ausstellung weiter zu vertiefen. Kunsthalle Gießen beschreibt die Ziele der Ausstellung als Versuch, nicht nur die Sichtbarkeit von Gewalt zu thematisieren, sondern auch die begleitenden Wirkungen auf die Gesellschaft zu hinterfragen.
Einladung zum Dialog
Ein Dialogpanel mit dem Titel „Darstellungen exzessiver Gewalt – zwischen Verstörung und Attraktion“ wird ebenfalls in der Kunsthalle stattfinden. Diese Veranstaltungen laden die Besucher ein, sich aktiv mit den Themen auseinanderzusetzen und verschiedene Sichtweisen zu diskutieren. Mit dieser Exhibition wird die Kunsthalle Gießen zu einem zentralen Ort für eine wichtige gesellschaftliche Debatte über Gewalt und deren Repräsentation.
Die Kunsthalle Gießen und das TraCe-Forschungszentrum setzen mit dieser Kooperation ein starkes Zeichen und laden alle Interessierten zur Eröffnung und zum Dialog über diese bedeutenden und oft schmerzhaften Themen ein.



