Am 4. November 2019 fand an der Goethe-Universität in Frankfurt ein wegweisendes Podiumsgespräch unter dem Titel „Krebs, Alzheimer & Co.: Eine Revolution in der Behandlung zum Greifen nah?“ statt. Die Veranstaltung brachte herausragende Forscher zusammen, darunter Prof. Raymond J. Deshaies vom California Institute of Technology, USA. Er ist einer der Entdecker der innovativen Wirkstoffklasse der PROTACs (Proteolysis Targeting Chimeras), die einen radikalen Ansatz zur Behandlung schwerer Erkrankungen bieten, darunter Krebs und neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer.
Wie puk.uni-frankfurt.de berichtet, basieren viele dieser Krankheiten auf krankmachenden Proteinen, die mit herkömmlichen Wirkstoffen nur unzureichend behandelt werden können. PROTACs bieten eine neuartige Strategie, indem sie gezielt Proteine an die körpereigenen Abbaumechanismen heranführen, was die Behandlung zuvor als „unbehandelbar“ geltender Zielstrukturen ermöglicht. Diese unkonventionelle Methode stellt nicht nur einen Fortschritt in der Krebstherapie dar, sondern könnte auch translationaler Basis für neuartige Medikamente sein.
Funktionsweise der PROTACs
PROTACs nutzen das Ubiquitin-Proteasom-System, um spezifische Zielproteine durch den Anbau von Polyubiquitin-Ketten abzubauen. Dies wurde im Review-Artikel von Kailee A. Rutherford et al. auf pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ausführlich erläutert. Sie bieten somit eine Möglichkeit, selbst als undrugbar geltende Onkoproteine wirksam zu bekämpfen. Die Herausforderung bei der klinischen Umsetzung von PROTACs liegt darin, diese Strategien erfolgreich in routinemäßige Anwendungen zu übertragen, um die Lebensqualität von Krebspatienten entscheidend zu verbessern.
Die Veranstaltung, die sich mit Themen wie der Funktionsweise des gezielten Proteinabbaus und der Translation neuer Wirkstoffe in wirksame Medikamente beschäftigte, war eine Zusammenkunft führender Experten auf diesem noch jungen Forschungsgebiet.
Hintergrund zur Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur
Die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur, die solche Veranstaltungen fördert, wurde 1985 im Gedenken an den 100. Geburtstag von Friedrich Merz gestiftet. Ihr Ziel ist es, angesehene Wissenschaftler aus den Bereichen Pharmazie und Humanmedizin an die Goethe-Universität zu berufen. Seit 1987 wird die Gastprofessur jährlich vergeben, mit Ausnahme von zwei Jahren. Die Institution ermöglicht den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie, um den Fortschritt in der medizinischen Forschung voranzubringen.
Das Ubiquitin-Proteasom-System, mit dem die PROTACs arbeiten, ist eine Schlüsselkomponente in vielen Zellprozessen und spielt eine bedeutende Rolle bei der Aufrechterhaltung der zellulären Homöostase. Dysregulationen in diesem System sind mit Krankheiten wie Krebs und neurodegenerativen Störungen verknüpft, wie eine Übersicht bei pmc.ncbi.nlm.nih.gov verdeutlicht. Diese Zusammenhänge unterstreichen die Dringlichkeit, neue therapeutische Strategien zu entwickeln, die gezielte Eingriffe in die Proteinregulation ermöglichen.
Zusammenfassend zeigt das Podiumsgespräch, wie PROTACs den Weg in eine neue Ära der Krebstherapie ebnen könnten und welche Schritte nötig sind, um dieses Potenzial in konkrete Behandlungsmethoden zu übersetzen. Diese Innovation könnte nicht nur die Zukunft der Krebsbekämpfung, sondern auch die Behandlung komplexer neurodegenerativer Erkrankungen revolutionieren.