Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) erzielt. Diese seltene, aber schwere Gehirninfektion, verursacht durch das JC-Virus, kann bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem fatale Folgen haben. Laut den Ergebnissen einer umfangreichen Studie, die zwischen 2021 und 2024 durchgeführt wurde, konnte der Nachweis von virus-spezifischen T-Zellen im Blut der Patienten als neuer Biomarker zur Vorhersage des Behandlungserfolgs mit Checkpoint-Inhibitoren (ICI) identifiziert werden. Besonders erfreulich: Patienten mit nachweisbaren T-Zellen zeigten signifikant bessere Ansprechraten und Überlebenschancen

Insgesamt wurden 111 PML-Patienten aus 39 Kliniken weltweit untersucht. Die Therapie mit ICIs aktiviert das Immunsystem, könnte aber mit Nebenwirkungen einhergehen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Patienten mit den funktionellen T-Zellen nicht nur höher auf die Therapie reagierten, sondern auch eine niedrigere Viruslast und weniger immunvermittelte Nebenwirkungen aufwiesen. Dies könnte zwingend notwendig sein, da PML oft bei Menschen mit hämatoonkologischen Erkrankungen auftritt, die sich in einer fortschreitenden und hochriskanten Situation befinden

Neue Perspektiven für PML-Patienten

Die MHH behandelt daneben auch mit allogenen DIAVIS-T-Zellen, die aus dem Blut gesunder Spender stammen. Vor der Infusion wird überprüft, ob die Patienten eigene spezifische T-Zellen gegen das Virus besitzen. Initiativen wie das alloCELL-Register ermöglichen es, passgenaue T-Zell-Spenden schnell zu identifizieren, was für die Personalisation der Therapie von entscheidender Bedeutung ist.

Eine weitere gründliche Studie über ICIs in der Therapie von PML umfasste 79 Patienten, die zusätzlich zur Standardbehandlung mit diesen Immuntherapeutika behandelt wurden. Ergebnis der Untersuchung: Die Ein-Jahres-Überlebensrate lag bei 51,9 Prozent. Dabei entwickelten 15 von 79 Patienten das Immune Reconstitution Inflammatory Syndrome (PML-IRIS), was zeigt, wie variabel die Reaktionen auf diese Art von Therapie sind. Weitere Faktoren, die den Verlauf beeinflussen können, sind vorherige Immunsuppressiva-Behandlungen und spezifische genetische Merkmale der Patienten.

Diagnose und Behandlung von PML

PML stellt eine große Herausforderung dar; die Symptome reichen von Sprach- und Sehstörungen bis hin zu geistigen Einschränkungen und Lähmungen. Diagnostisch kann die Erkrankung über MRT-Veränderungen und den Nachweis von JCV-DNA im Nervenwasser bestätigt werden. Bislang gibt es keine zugelassene wirksame Therapie. Innovative Therapieansätze, wie die Verwendung von Anti-PD-1-Antikörpern oder virusspezifischen T-Lymphozyten aus Spendern, zeigen jedoch Hoffnung auf zukünftige Behandlungsmöglichkeiten.

Betroffene sollten sich an spezialisierte Zentren wenden, um Zugang zu diesen neuartigen Therapien zu erhalten. Unterstützung durch physio- und ergotherapeutische Maßnahmen spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Rehabilitation von PML-Patienten. Abschließend lässt sich sagen, dass der Fortschritt in der Forschung einen Hoffnungsschimmer für die vielen Patienten darstellt, die an dieser schweren Erkrankung leiden.