Der Bucerius Legal Innovation Hub hat kürzlich eine aufschlussreiche Studie mit dem Titel „Legal Market Economics“ veröffentlicht, die die ökonomischen und technologischen Veränderungen im deutschen Rechtsmarkt beleuchtet. Auf 44 Seiten werden zentrale Trends und Herausforderungen analysiert, die die juristische Profession heute maßgeblich prägen. Die Studie deckt sieben wesentliche Ergebnisse auf, darunter ein signifikanter Anstieg der Komplexität im Recht, während die Zulassungszahlen für Anwälte stagnieren. Dies führt zu einem besorgniserregenden Leistungsgap, der die Gesellschaft insgesamt betrifft, insbesondere durch den bevorstehenden Renteneintritt vieler Juristen und die damit verbundene Nachwuchsproblematik. Law School berichtet, dass Künstliche Intelligenz (KI) in diesem Kontext als entscheidender Differenzierungsfaktor betrachtet wird.

Die Studie macht deutlich, dass Wirtschaftskanzleien nicht nur ihre Geschäftsmodelle und Preisstrukturen anpassen müssen, sondern auch die Art und Weise, wie sie Talente rekrutieren und binden. Klassische Senioritätsmodelle stehen dem neuen Erfordernis, interdisziplinäre Rollen, auch bekannt als „Legal Connectors“, stärker einzubinden, im Weg. Die Rolle der Rechtsabteilungen wandelt sich ebenfalls. Sie werden zunehmend zu strategischen Navigatoren, die technologische Monitoring- und Risikosysteme verwenden, um frühzeitig auf Entwicklungen zu reagieren. Jedoch warnen die Autoren der Studie, dass regulatorische Rahmenbedingungen und bestehende Kompetenzdefizite die Adaption neuer Technologien hemmen können.

Herausforderungen in der juristischen Ausbildung

Im Zuge dieser Veränderungen ist auch die juristische Ausbildung gefordert. Der Nachwuchs sollte auf neue Technologien und Arbeitsformen vorbereitet werden. So hat Mag. Dr. Stefan Eder, Rechtsanwalt und Partner bei Benn-Ibler Rechtsanwälte in Wien, darauf hingewiesen, dass die Digitalisierung und Automatisierung die Anforderungen an die Qualifikationen von Juristen grundlegend verändern. Generative KI wird dabei zunehmend traditionelle Aufgaben automatisieren, was bedeutet, dass junge Juristen sich auf kreativere und strategischere Tätigkeiten konzentrieren müssen. Diese Notwendigkeit hat zur Folge, dass anstehende Ausbildungsformate überdacht werden müssen. Beck berichtet, dass innovative Trainingsansätze wie Hackathons an Bedeutung gewinnen.

Hackathons bieten eine ideale Plattform, um digitale Kompetenzen zu fördern und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu ermöglichen. Sie ermöglichen es den Teilnehmern, an realen Herausforderungen zu arbeiten, was für die Praxis äußerst relevant ist. Durch die Einbindung von Mentoren und Sponsoren wird nicht nur die praktische Kompetenz der Juristen gestärkt, sondern auch ein vertieftes Verständnis für die neuen Herausforderungen des „KI-Zeitalters“ geschaffen.

Die Zukunft der Technologie im Rechtsmarkt

Die Entwicklungen im Rechtsmarkt zeigen, dass 2026 entscheidend sein wird für die Erweiterung und Implementierung komplexerer KI-gestützter Workflows. Laut einem Ausblick von Christian Hartz, Legal Engineer bei Wolters Kluwer, ist der Einsatz von KI in der juristischen Praxis auf dem Vormarsch. Wolters Kluwer nennt Beispiele wie die Automatisierung von Dokumentenerzeugungen und Datenextraktionen, die die Effizienz erheblich steigern können. Auch wenn der Hype um große Sprachmodelle (LLMs) nicht überall ankommt, erkannte eine steigende Anzahl von 75 % der Unternehmen im Jahr 2025 den Wert von KI-Technologien.

DieReportagen zur digitalen Transformation im Rechtssektor zeigen, dass während laut den jüngsten Erhebungen 56 % der juristischen Teams schon mit generativer KI arbeiten, eine klare Strategie zur Implementierung und Nutzung dieser Technologien unerlässlich ist. Herausforderungen, wie Datenschutzbedenken und rechtliche Unsicherheiten, bleiben zentrale Punkte, die es zu adressieren gilt. Um das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen, kann eine systematische Betrachtung der effektiven Nutzung und Messbarkeit von KI-Gestützten Arbeitsabläufen entscheidend werden, damit Juristen auch in Zukunft erfolgreich agieren können.