Der Botanische Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) verzaubert auch im Frühling mit einer bunten Vielfalt an Pflanzen und faszinierenden Lebensformen. Besonders die Flechten sind dort ein zentrales Thema. Diese unscheinbaren Organismen sind tatsächlich das Ergebnis einer Symbiose zwischen Pilzen und Photosynthese betreibenden Partnern wie Grünalgen oder Cyanobakterien. Sie wachsen in den verschiedensten Umgebungen, sei es auf Baumrinde, Erdboden, Steinen oder Beton. Angesichts ihrer Empfindlichkeit sind sie auch wertvolle Indikatoren für Veränderungen in klimatischen und luftqualitativen Bedingungen.

Beeindruckend ist, dass Flechten nicht einfach verpflanzt oder gezüchtet werden können; Nur die jeweiligen Partner, Pilz- und Algenarten, sind kultivierbar. Im botanischen Garten sind viele verschiedene Wuchsformen vertreten, die sich in ihrer Erscheinung stark unterscheiden. So gibt es beispielsweise Krustenflechten, die eng am Untergrund haften, oder die auffällige Caperatflechte (Flavoparmelia caperata), die grünliche Strukturen auf Bäumen bildet. Die Wand-Gelbflechte (Xanthoria parietina) ist ein weiteres Beispiel, die je nach Standort entweder grünlich oder gelb leuchtet. Strauchförmig wachsen die Becherflechten der Gattung Cladonia, die mit ihren aufrechten Körpern die Blicke der Besucher anziehen.

Flechtenvielfalt und Klima

Die Beobachtungen aus der Region Düsseldorf sind vielerorts durch den Klimawandel beeinflusst. Bei einer Exkursion in Düsseldorf-Garath, die im November 2024 stattfand, wurden zahlreiche epiphytische Moose und Flechten gesichtet, darunter 25 bis 30 verschiedene Arten an Bäumen. Diese Arten sind unter den gegebenen klimatischen Bedingungen oft besonders stark vertreten. Vor allem Arten wie Hypotrachyna, Parmotrema und Punctelia haben sich in dieser Zeit stark verbreitet. Die Exkursion wurde von der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft (BLAM) geleitet und bot interessante Einsichten in die spezielle Flora der Region.

Besonders bemerkenswert war der Befund der Pflaumenflechte (Evernia prunastri) und einiger weiterer Flechten wie Flavopunctelia flaventior, die zuerst 2000 nachgewiesen wurde und sich seitdem in der Region ausbreiten konnte. Der Klimawandel hat somit nicht nur Auswirkungen auf bereits bekannte Arten, sondern beeinflusst auch die Verteilung neuer Spezies im Umfeld Düsseldorfs.

Biodiversität und ihre Herausforderungen

Ein weiteres zentrales Thema rund um die Flechten ist die zunehmende Bedrohung durch den Klimawandel. Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung von 2 bis 4 °C zu rechnen ist. Dies könnte bedeuten, dass viele Arten in ihren Lebensräumen gefährdet sind oder gar verschwinden könnten. Laut einem Bericht des UFZ gehen Schmidt und Kollegen davon aus, dass bei einem Temperaturanstieg von über 4 °C etwa 20% der Arten mehr als 80 % ihres Verbreitungsgebiets verlieren könnten. Besonders betroffen sind alpine Arten, die sich bereits jetzt an Kältegrenzen zurückziehen.

Die Auswirkungen sind regional sehr unterschiedlich, und die Verbreitungsmuster könnten sich durch den Verlust einheimischer Arten drastisch verändern. Dennoch könnte der Wandel auch Zuwächse neuer Arten mit sich bringen, die sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen.

Der Botanische Garten der HHU, der jährlich etwa 100.000 Besucher anzieht, ist nicht nur ein Ort der Artenvielfalt, sondern auch ein wichtiges Zentrum für Bildung und Forschung. Hier bietet ein vielfältiges Vortrags- und Führungsprogramm, zusammen mit einem kostenfreien Audioguide, ein umfangreiches Erlebnis für alle Altersgruppen.

Besucher sollten sich also nicht nur an den prächtigen Blumen erfreuen, sondern auch die faszinierende Welt der Flechten und deren Bedeutung im Kontext des Klimawandels näher kennenlernen.