Leigh-Syndrom, eine äußerst seltene und fortschreitende Erkrankung des Gehirns, ergründet momentan neue Horizonte in der medizinischen Forschung. Diese mitochondriale Enzephalopathie zeigt typischerweise erste Symptome im Kindesalter und zieht schwerwiegende Schädigungen im Hirn nach sich. Die Anzeichen umfassen etwa Störungen der geistigen Entwicklung, epileptische Anfälle und eine erhebliche Muskelschwäche, die oft in einem Versagen des Atemantriebs münden. Wie HHU berichtet, ist die Lebenserwartung der betroffenen Kinder stark eingeschränkt, und es gibt bislang keine zugelassenen medikamentösen Therapien.

Die Häufigkeit des Leigh-Syndroms liegt bei rund einem Fall pro 36.000 Lebendgeburten, was es zu einer der „Seltenen Erkrankungen“ macht. Diese niedrigen Fallzahlen gestalten die Forschung zu möglichen Therapien schwierig. Daher engagiert sich ein internationales Forschungsnetzwerk, das eine Kooperation zwischen Institutionen aus Deutschland, Österreich, Finnland, den Niederlanden, Polen, Italien, Griechenland und den USA umfasst.

Forschungsfortschritte und neue Therapieansätze

Um alternative Behandlungsmethoden zu entwickeln, nutzen Forscher Hautzellen von Patienten, um induzierte pluripotente Stammzellen zu erzeugen. Diese Zellen dienen zur Konstruktion von Gehirnorganoiden, die als 3D-Modelle des Gehirns fungieren. In diesem Rahmen wurden mehr als 5.500 Wirkstoffe in einem umfangreichen Screening getestet. Dabei stieß man auf Sildenafil, ein bereits zugelassenes Medikament zur Behandlung von Erektionsstörungen und pulmonaler Hypertonie bei Säuglingen, das vielversprechende Ergebnisse zeigte. Es wurde nachgewiesen, dass Sildenafil positive Effekte auf den Stoffwechsel und die Funktion von erkrankten Zellen im Zell-Modell hat. In einer ersten klinischen Untersuchung an sechs Patienten in Charité, Düsseldorf, München und Bologna wurden ebenfalls positive Entwicklungen in der neurologischen Funktion und Muskelkraft beobachtet.

Die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat Sildenafil den Status eines Orphan-Arzneimittels (ODD) zuerkannt, was die Hoffnung auf eine breitere Anwendung des Wirkstoffs in der Behandlung des Leigh-Syndroms stärkt. Forschungsartikel skizzieren außerdem, dass eine kombinierte Therapieansätze, wie therapeutische Hypoxie und die Verwendung von Nikotinsäure oder Nikotinamid-Ribosid, in den letzten Jahren ermutigende Ergebnisse geliefert haben, die eine Verbesserung neurologischer Befunde versprachen.

Ausblick

Die Herausforderungen, die mit der Erforschung und Behandlung des Leigh-Syndroms verbunden sind, führen zu einem erhöhten Therapiebedarf – und das nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern auch für deren Familien. Geplant ist eine groß angelegte, placebokontrollierte klinische Studie zur weiteren Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Sildenafil. Ziel ist es, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen, die zu einer effektiven Behandlungsmethodeführen könnten. Bislang ist die Situation der Patienten und deren Angehörigen noch stark von Unsicherheiten geprägt. Daher bleibt abzuwarten, welche weiteren Fortschritte das Konsortium CureMILS und die involvierten Forschungseinrichtungen in den kommenden Jahren erzielen werden.

Mit dem Leigh-Syndrom hat sich ein sehr komplexes Krankheitsbild entblättert. Ob das neu entdeckte Potenzial von Sildenafil in Zukunft eine Lichtung für die Betroffenen darstellt, bleibt eine spannende Frage, die die Forschung unbedingt weiter vorantreiben muss.

Für eine umfassende Übersicht über die Erkrankung und ihre Symptome empfiehlt sich ein Besuch auf der entsprechenden Wikipedia-Seite.