Was passiert heute im Bereich der filmischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust? An der Universität Heidelberg fand eine Tagung unter dem Titel „Sichtbarkeiten der Erinnerung. Der Holocaust an Sinti und Roma im Film“ statt, die sich intensiv mit der Darstellung dieser oft vernachlässigten Gruppen in der Filmkunst beschäftigt. Dr. Radmila Mladenova leitet das Projekt „Critical Film & Image Hub“, dessen Ziel es ist, die filmischen Narrative über Sinti und Roma zu beleuchten und zu hinterfragen. Denn die Geschichte dieser Gruppen wurde lange Zeit in Hollywood und im Weltkino nur unzureichend thematisiert und prägte oft negative stereotype Bilder.

Insbesondere die frühen Darstellungen der Sinti und Roma im Film waren von antiziganistischen Klischees geprägt. Diese verzerrten Bilder fanden ihren Ausdruck in der Verharmlosung der Realität, bis die Bürgerrechtsbewegung seit den 1980er-Jahren einen Wandel herbeiführte. Die Anerkennung des Völkermords an Sinti und Roma führte dazu, dass Spielfilme zunehmend die Unschuld und Ausweglosigkeit dieser Opfer thematisierten. Auch die unterschiedlichen Facetten der Sinti-Kultur, wie etwa ihre Musiktraditionen oder die Figuren prominenter Sinti wie Johann Trollmann oder Anita Awosusi, gewinnen in diesen Erzählungen zunehmend an Bedeutung.

Die Tagung im Detail

Die Tagung umfasst einleitende Vorträge und acht thematische Panels, die sich mit verschiedenen Aspekten des Themas auseinandersetzen. Dazu gehören die Rolle von Dokumentarfilmen als Archive kollektiver Erinnerung, die Verflechtung von Film, Geschichtspolitik und Erinnerungskultur in Europa sowie die Analyse ambivalenter Heldenfiguren in Spielfilmen. Besonders bemerkenswert ist der Austausch zwischen Filmpraxis und Wissenschaft, der durch zwei Workshops gefördert wird. Hier soll diskutiert werden, wie zeitgemäße Holocaust-Bildung mit Hilfe des Films gestaltet werden kann und welchen Beitrag das Medium Film leisten kann, um den antiziganistischen Diskurs zu hinterfragen.

Die Veranstaltung wird von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert und im Rahmen des Kooperationsverbundes gegen Antiziganismus, unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, durchgeführt. Gerade in Anbetracht der historischen Unterdrückung der Sinti, die während des Nationalsozialismus besonders brutal verfolgt wurden, erhält dieses Vorhaben zusätzlichen Nachdruck. Am 2. August 1944, einem Tag, der heute als Roma- und Sinti-Holocaust-Gedenktag begangen wird, wurden circa 4.000 Sinti und Roma in Auschwitz ermordet, was erneut die Dringlichkeit solcher Themen in der heutigen Gesellschaft unterstreicht.

Die Bedeutung von Film und Erinnerung

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist nicht nur ein Thema für Historiker:innen oder Soziolog:innen; sie findet auch ihren Weg in die Kultur und die Kunst. Filme sind nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sie beeinflussen auch die öffentliche Wahrnehmung. Über die Jahre wurde immer deutlich, dass die Sinti und Roma, die laut Schätzungen heute etwa 200.000 in Deutschland und anderen Mitteleuropäischen Ländern leben, auch im kulturellen Gedächtnis ein Plädoyer für mehr Sichtbarkeit und Verständnis brauchen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Fokus auf die filmische Darstellung der Sinti und Roma ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung ist. Der Einsatz von Bildern, die die Erfahrungen dieser Gruppen sensibel und realistisch darstellen, kann helfen, antiziganistische Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis der historischen und kulturellen Realität der Sinti zu fördern. Wie gesagt, „da liegt was an“ – insbesondere für die nächste Generation der Geschichtserzähler und Geschichtenerzählerinnen.