Die Pflege steht vor großen Herausforderungen, und das BUILD-Projekt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt betrachtet das Thema aus einer ganz besonderen Perspektive: der der betroffenen Menschen in verschiedenen Sorgekontexten. Forscher setzen dabei auf ein Konzept, das die personenzentrierte integrierte Versorgung in den Mittelpunkt rückt. Diese Herangehensweise berücksichtigt nicht nur medizinische und pflegerische Aspekte, sondern auch soziale Gegebenheiten, um ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben für Klientinnen und Klienten zu ermöglichen. Diese neue Denkweise stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, da bisher oftmals die professionellen Sichtweisen im Vordergrund standen, während die Anliegen der Pflegebedürftigen selbst zu kurz kamen. KU.de berichtet, dass Gesundheits- und Sozialfachkräfte eng mit unterstützungsbedürftigen Menschen und deren Angehörigen zusammenarbeiten, um die Koordination von Pflege- und Unterstützungsleistungen zu verbessern.
Ein zentrales Instrument des Projekts sind die sogenannten „care-triads“, die alle relevanten Akteure der Pflege abbilden: pflegebedürftige Personen, pflegende Angehörige und professionelle Pflegende. Die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Langzeitpflege wird hier besonders betont, um die Qualität der Versorgung zu optimieren. Aufbauend auf einer umfangreichen Analyse internationaler Literatur der letzten Jahre untersucht das Projekt Pflegebeziehungen in Ländern wie Österreich, Dänemark, Tschechien und Portugal, um sowohl unterstützende Faktoren als auch Hindernisse zu identifizieren.
Kontakt zur Pflegeperson – der Schlüssel zum Erfolg
Einen essenziellen Beitrag leistet der persönliche Kontakt zwischen Pflegekräften und den gepflegten Personen. Wie auf pflegenetzwerk-deutschland.de erläutert, wird in der Pflege eine bewusste Ich-Du-Beziehung angestrebt. Diese ist besonders bei Menschen mit Demenz von großer Wichtigkeit. Der erste Kontakt kann durch einfache Gesten wie Lächeln oder Berührung hergestellt werden, und erst danach folgt die eigentliche Pflegeintervention. Diese direkten sozialen Interaktionen sind unerlässlich für den Aufbau von vertrauensvollen Beziehungen und können konkrete Aktionen wie gemeinsames Spazierengehen oder die Unterstützung beim Waschen umfassen.
Experten wie Prof. Dr. Martina Roes heben hervor, wie wichtig es ist, die Wirkung von solchen Beziehungen in der Pflege konkret zu messen und deren Bedeutung zu steigern. Das BUILD-Projekt setzt genau hier an, indem es konkrete Handlungsempfehlungen ableitet und ein „BUILD-Framework“ entwickelt, das als digitale Toolbox fungieren soll. Diese Toolbox wird Hinweise zur personenzentrierten integrierten Versorgung bieten und erfolgreiche Beispiele sichtbar machen. Ein Ansatz, der über nationale Grenzen hinweg anwendbar ist und die Diskussion in der wissenschaftlichen Community bereichern soll.
Personenzentrierte Pflegepraxis – Handlungsbedarf und Perspektiven
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Verbreitung der personenzentrierten Pflegepraxis ist das neu erschienene Buch „Personzentrierte Pflegepraxis“, herausgegeben von Christoph von Dach und Hanna Mayer. Wie in zeitschrift-pflegewissenschaft.de erwähnt, bietet das Buch eine umfassende Darstellung der Grundlagen und Strategien zur Umsetzung dieser Praxis in der Pflege. Seit 2001 wird personenzentrierte Versorgung in den USA als Gesundheitsziel betrachtet, während im deutschsprachigen Raum vor allem theoretische Diskussionen stattfinden. Das Buch gliedert sich in fünf Hauptteile und widmet sich sowohl der Theorie als auch der praktischen Umsetzung. Zielgruppe sind dabei Pflegefachpersonen, Führungskräfte und Lehrende.
Mit wertvollen Perspektiven und vielfältigen Erfahrungen aus unterschiedlichen Pflegekontexten liefert das Buch nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Ansätze zur Etablierung einer personenzentrierten Kultur. Insbesondere die praxisnahen Strategien und die detaillierte Betrachtung von Akut- und Langzeitpflege rücken das Thema in ein neues Licht und bieten Impulse für die Verbesserung der Pflegequalität.



