In den letzten Jahren hat die Katastrophenmedizin in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt sich nicht nur in der Erhöhung des Lehrangebots an medizinischen Fakultäten, sondern auch in der Entwicklung von neuen Richtlinien, die die Behandlung in Notsituationen optimieren sollen. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird ab sofort ein neues Wahlfach eingeführt, das Medizinstudierenden die Grundlagen der Einsatz- und Katastrophenmedizin vermittelt.
Das Wahlfach mit dem Titel „Einführung in die Einsatz- und Katastrophenmedizin“ startet für Medizinstudierende ab dem dritten Studienjahr und wird in Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede angeboten. Ziel ist es, die jungen Mediziner auf Katastropheneinsätze vorzubereiten und die Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften wie Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr zu fördern. Der erste Kurs umfasst 15 Studierende sowie Auszubildende als Medizinische Fachangestellte. Dabei werden nicht nur theoretische Kenntnisse vermittelt, sondern auch praktische Fähigkeiten, die durch den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen und Planspielen zur Simulation von Notfällen unterstützt werden.
Wachsende Nachfrage nach Katastrophenmedizin
Die Notwendigkeit solcher Lehrangebote hat sich in den letzten Jahren stark erhöht, insbesondere aufgrund der gesamtpolitischen Lage und vergangener Großeinsätze wie dem Zugunglück in Eschede oder den Flutkatastrophen im Ahrtal. Der Lehrplan wurde von Dr. Jan Carlo Del Terdesco entwickelt und umfasst unter anderem Stressresistenztraining sowie Entscheidungsfindung unter Zeitdruck nach dem PRIOR-Algorithmus. Eine praktische Übung mit dem Bundeswehrhubschrauber NH-90, der bis zu sieben schwer verletzte Personen transportieren kann, rundet das Training ab.
In einer breiteren Perspektive wird Katastrophenmedizin in Deutschland derzeit durch neue Leitlinien gestärkt, die von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin erstellt wurden. Diese Leitlinien sind die ersten ihrer Art in Deutschland und international einzigartig. Sie beinhalten Empfehlungen zur medizinischen Versorgung in Katastrophen oder Großschadensereignissen und beziehen das Ziel mit ein, die bestmögliche Versorgung für die größtmögliche Anzahl von Patienten sicherzustellen. Dies geschieht in einem Rahmen, der sowohl präklinische als auch klinische Aspekte der Katastrophenmedizin umfasst.
Wissenschaftliche Basis und Umsetzung
Die neuen Leitlinien sind das Ergebnis eines standardisierten Prozesses, der die Mitwirkung von 26 Fachgesellschaften und Institutionen umfasst. Sie bieten einen wissenschaftlich fundierten Rahmen zur Integration in Bildungs- und Übungsvorhaben, um die Handhabung von Notfällen weiter zu optimieren. Spezielle Empfehlungen befassen sich zudem mit Themen wie lebensbedrohlichen Blutungen und psychosozialer Notfallversorgung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklungen in der Ausbildung und den Richtlinien im Bereich der Katastrophenmedizin auf ein gesteigertes Interesse schließen lassen. An der MHH sowie durch die neuen Leitlinien wird nicht nur das medizinische Personal besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet, sondern auch die Integration zwischen verschiedenen Einsatzkräften verbessert, was in Krisensituationen entscheidend sein könnte.
Für weitere Informationen über die Entwicklungen in der Katastrophenmedizin können Sie die Artikel von der Medizinischen Hochschule Hannover hier und vom Bund für Katastrophenschutz hier nachlesen.