Wie gut kennen wir die Verbindung zwischen unserem Immunsystem und psychischen Erkrankungen? Eine internationale Studie hat nun faszinierende neue Erkenntnisse zur Differenzierung zwischen Depression und Psychose im jungen Erwachsenenalter geliefert. Laut der Forschung, die in der angesehenen Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, zeigen Patient*innen bereits in frühen Phasen der Erkrankungen signifikante Änderungen in Entzündungsmarkern im Blut sowie strukturelle Veränderungen in der grauen Substanz des Gehirns. uni-koeln.de berichtet, dass unterschiedliche Entzündungs- und Gehirnsignaturen festgestellt wurden, die es ermöglichen könnten, diese Erkrankungen schon früh zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Die Studie mit dem Titel „Multivariate Brain-Blood Signatures in Early-Stage Depression and Psychosis“ wurde von einem Team unter der Leitung von Dr. Dr. David Popovic vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie sowie PD Dr. Lana Kambeitz-Ilankovic von der Universitätsmedizin Köln und Professorin Dr. Rachel Upthegrove von der Oxford-Universität realisiert. Die Resultate bekräftigen andere Forschungsergebnisse, die zeigen, dass etwa ein Drittel der Patient*innen mit Depressionen erhöhte Entzündungswerte aufweist. medlabportal.de hebt dabei hervor, dass diese Entzündungswerte häufig nur durch unspezifische Marker bestimmt werden, was die Notwendigkeit von präziseren Messmethoden unterstreicht.
Komplexe Entzündungsprofile
Die Forschungsarbeiten zogen 678 Proband*innen aus Deutschland, Italien, der Schweiz, Finnland und dem Vereinigten Königreich zwischen 2013 und 2018 in Betracht. Die Wissenschaftler*innen untersuchten dabei detailliert sowohl Blut- als auch Gehirnproben. Es wurden nicht nur die Entzündungssignaturen, sondern auch über 12.000 Gene in Immunzellen analysiert. Erstaunlicherweise fand das Team klare Unterschiede zwischen den Signaturen für Depression und Psychose, ohne dass es nennenswerte Überlappungen gab. Dies könnte bedeuten, dass maßgeschneiderte Therapien für beide Erkrankungen entwickelt werden können.
Besonders auffällig war, dass bei der Psychose-Signatur Hinweise auf eingeschränkte kognitive Fähigkeiten festgestellt wurden, während solch eine Verbindung zur Depression nicht nachgewiesen werden konnte. Die Resultate zeigen, dass es wichtig ist, spezialisierte Behandlungsansätze zu verfolgen, um Patient*innen adäquat unterstützen zu können, vor allem, da ein erheblicher Teil der Depressionen in Deutschland unbehandelt bleibt.
Potenzial für bessere Therapieansätze
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen könnten nicht nur eine frühzeitige diagnostische Differenzierung ermöglichen, sondern auch neue Wege für therapeutische Interventionen eröffnen. Zukünftige Forschungsprojekte planen unter anderem den Einsatz der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI), um die Entzündungsprozesse im Gehirn noch gezielter zu untersuchen. Dabei könnten auch behandlerische Ansätze verbessert werden, indem man nicht nur gängige Marker wie CRP betrachtet, sondern auch andere Entzündungsstoffe wie IL-1RA und verschiedene Chemokine erforscht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die umfassende Analyse der Entzündungsmarker und deren Beziehung zu Depressionen und Psychosen ein vielversprechendes Feld für zukünftige wissenschaftliche Bemühungen darstellt. Die ermittelten Fragestellungen stellen einen großen Schritt nach vorn dar, um nicht nur bestehende Diagnosen zu verfeinern, sondern auch eine individuellere Therapie für Betroffene zu entwickeln.