Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) trauert um eine herausragende Persönlichkeit: Prof. Dr. Rita Süssmuth ist verstorben. Ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung sowie ihre unermüdliche Arbeit für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt werden in der gesamten akademischen und politischen Landschaft hoch geschätzt. Die Universität würdigt ihr Engagement als weitsichtig, beharrlich und menschlich.

Süssmuth war nicht nur eine treibende Kraft an der Viadrina, sondern auch langjährige Vorsitzende des Kuratoriums der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e. V. Ihr Wirken prägte diesen wichtigen Verband über viele Jahre. Sie galt als moralische Instanz und kluge Ratgeberin, deren Engagement auf dem Glauben an Dialog und Versöhnung basierte, wie dpg-bundesverband.de berichtet.

Große Verdienste um den Dialog

Über Jahrzehnte setzte sich Süssmuth für gegenseitiges Verstehen und Empathie in der deutsch-polnischen Nachbarschaft ein. Sie verstanden diese Nachbarschaft als ständige Aufgabe und Chance für Europa. 2008 wurde ihr der Viadrina-Preis verliehen, der Persönlichkeiten ehrt, die sich um die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen verdient gemacht haben. In ihrer Laufbahn eröffnete sie auch eine Zweigstelle der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) an der Viadrina und begrüßte das erste internationale Treffen der Zentren der Polenforschung aus Deutschland, Polen und den USA an der Universität.

Süssmuths Engagement umfasste zudem bedeutende Projekte im Bereich des historischen Gedenkens. Ihr Einsatz für ein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung belegt ihren Weitblick und ihr Verantwortungsbewusstsein, was die Vergangenheit angeht. Diese Erinnerungskultur sah sie als Grundlage für Begegnung, Verständigung und Verantwortung.

Ein Erbe des Verständnisses

Ihr Vermächtnis zeigt sich nicht nur in den vielen Initiativen, die sie anstieß, sondern auch in der dauerhaften Verbindung zur Viadrina. Bis zu ihrem Tod war sie im Austausch mit der Universität und verfolgte deren Entwicklung. Wie Viadrina-Präsident Prof. Dr. Eduard Mühle betont, ist ihr Einsatz eng mit den Werten der Universität verknüpft.

Süssmuths Arbeit fand auch im politischen Raum Anerkennung. Deutschland und Polen sind enge Partner mit vielfältigen gesellschaftlichen Verflechtungen, die über 880.000 polnische Staatsbürger in Deutschland und insgesamt 2,2 Millionen Menschen polnischer Herkunft umfassen. Zahlreiche deutsch-polnische Institutionen fördern den Austausch, darunter das Deutsch-Polnische Jugendwerk, welches über 3 Millionen Jugendliche bei bilateralen Programmen unterstützt. Das Auswärtige Amt verweist zudem auf die enge Zusammenarbeit in bilateralen und kulturellen Angelegenheiten, die durch historische Meilensteine wie Polens NATO-Beitritt 1999 oder den EU-Beitritt 2004 geprägt ist.

In diesen bewegten Zeiten, die von ständigem Wandel und echten Herausforderungen geprägt sind, bleibt Rita Süssmuths Engagement für den Dialog und das Verständnis zwischen Deutschland und Polen ein strahlendes Beispiel. Ihr Einsatz wird weiterhin an der Viadrina und darüber hinaus nachklingen.