Blutabnahmen und Injektionen sind tägliche Praxis in der Forschung, insbesondere bei Versuchstieren wie Mäusen und Ratten. Doch die Methode, die dafür verwendet wird, birgt Herausforderungen. An der Ruhr-Universität Bochum haben Studierende einen Ansatz entwickelt, der nicht nur den Umgang mit diesen Verfahren erleichtert, sondern auch Tierschutzaspekte in den Vordergrund rückt. News der Ruhr-Universität Bochum berichtet, dass Blutentnahmen häufig über die Schwanzvenen der Tiere erfolgen. Hierbei muss eine dünne Kanüle in einem flachen Winkel in die Vene eingeführt werden, was Geschick und Erfahrung erfordert.

Um diese Fertigkeiten zu erlernen, nutzen die Studierenden realistisch gestaltete Gummimodelle, die mit einem integrierten Gefäßsystem ausgestattet sind. Diese sind mit einer Ersatzflüssigkeit gefüllt, sodass die Teilnehmenden die Anatomie der Tiere studieren und den Umgang mit Spritzen und Kanülen trainieren können. Dr. Nora Rautenberg, die Tierschutzbeauftragte, hebt hervor, dass diese Modelle den Einsatz von lebenden Tieren für Ausbildungszwecke überflüssig machen und somit stressfreies Training ermöglichen.

Das 3R-Prinzip

In der Forschung spielt das 3R-Prinzip eine zentrale Rolle. Es wurde 1959 von den britischen Wissenschaftlern William Russell und Rex Burch in ihrem Buch „The Principles of Humane Experimental Technique“ veröffentlicht. Die Zielsetzungen sind klar: Tierversuche sollen möglichst ganz vermieden (Replacement), die Anzahl der Tiere in Versuchen reduziert (Reduction) und das Leiden der Tiere minimiert (Refinement) werden. Laut BfR ist dieses Prinzip die Grundlage für die Tierschutzpolitik in vielen Ländern und erhielt 2010 gesetzliche Anerkennung durch die Europäische Richtlinie 2010/63/EU.

In Deutschland wurde das 3R-Prinzip 2013 in das Tierschutzgesetz implementiert. Forscher müssen bei der Beantragung einer Genehmigung für Tierversuche wesentliche Fragen beantworten. Dazu gehört, ob es Alternativen gibt, wie viele Tiere tatsächlich benötigt werden und wie die Belastungen für die Tiere minimiert werden können. Die Antworten werden von den zuständigen Landesbehörden geprüft, um sicherzustellen, dass die Forschung im Einklang mit den modernen Tierschutzstandards steht.

Diese Entwicklungen zeigen, dass der Spagat zwischen notwendiger Forschung und dem Tierschutz machbar ist. Die Initiative der Ruhr-Universität Bochum verdeutlicht, dass innovative Trainingsmethoden nicht nur zu besseren Ergebnissen in der Forschung führen, sondern auch ethische Standards einhalten können. Langfristig zielt das 3R-Prinzip darauf ab, Tierversuche vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren