Im aktuellen Jahr 2025 ist ein Begriff in aller Munde: „Sondervermögen“. Der Ausdruck wurde als Unwort des Jahres 2025 gekürt und sorgt damit für Diskussionen in der Gesellschaft. Prof. Dr. Constanze Spieß von der Philipps-Universität Marburg gab die Wahl am Dienstag bekannt. „Sondervermögen“ ist seit einigen Jahren in politischen Debatten zu Themen wie Staatsverschuldung und Investitionsprogrammen prominent vertreten, doch die Jury kritisiert, dass der Begriff oft irreführend benutzt wird. Laut den Jurymitgliedern verdeckt er die tatsächlichen Absichten und erschwert die Verständlichkeit in der politischen Kommunikationslandschaft.

Der Ausdruck setzt sich zusammen aus „sonder“, was außergewöhnlich bedeutet, und „Vermögen“, was Eigentum oder Geld bezeichnet. Im wirtschaftlichen Kontext nutzt man den Begriff häufig für Nebenhaushalte, die zur Erfüllung besonderer Aufgaben eingerichtet werden und meist mit der Aufnahme neuer Schulden einhergehen. Diese Verwendung wird von der Jury als manipulative Sprache wahrgenommen, die demokratische Debatten über die Notwendigkeit von Schuldenaufnahme untergräbt und nicht zur Aufklärung des Publikums beiträgt. Viele Bürger:innen sind mit den administrativen Begrifflichkeiten nicht vertraut und können so leicht fehlgeleitet werden, kritisiert die Jury von Marburg, die aus Sprachwissenschaftlern besteht und bereits seit 1991 die Unwörter des Jahres bestimmt.

Die Wahl und ihre Hintergründe

Insgesamt gingen 2.631 Vorschläge für das Unwort des Jahres ein, darunter 553 erfüllten die Kriterien der Jury. Neben „Sondervermögen“ fanden sich auch Begriffe wie „Zustrombegrenzungsgesetz“ und „Asylwende“ unter den Nennungen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt „Zustrombegrenzungsgesetz“, das mit einer negativen Konnotation für Zuwanderung einhergeht und Menschen entwürdigt. Ein weiteres persönliches Unwort des Jury-Gastes Ronen Steinke ist „Umsiedlung“, da es Vertreibung hinter einem vermeintlich wohltätigen Begriff versteckt.

Die kritischen Anmerkungen zur Nutzung von „Sondervermögen“ spiegeln einen breiteren Trend in der Sprachgebrauchskultur wider, wo Euphemismen und verschleiernde Begriffe das politische Verständnis beeinflussen können. Die Jury betont, dass Sprache einen direkten Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung und die politische Debatte hat. So führt die manipulation der Sprache oft zu einem Mangel an Transparenz und einer blockierten Debatte.

Ein Blick auf frühere Unwörter

Die Aktion „Unwort des Jahres“ hat sich zur Aufgabe gemacht, Begriffe zu benennen, die die Menschenwürde verletzen oder diskriminieren. Im Vorjahr wurde „biodeutsch“ als Unwort des Jahres gewählt, da es eine diskriminierende Einteilung in „echte“ Deutsche und Deutsche „zweiter Klasse“ vornimmt. Historisch betrachtet schafften es auch Begriffe wie „Remigration“, „Klimaterroristen“ und „Lügenpresse“ auf die Liste der Unwörter. Diese Entwicklung zeigt den fortwährenden Bedarf, achtsam mit Sprache umzugehen und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu reflektieren.

Die Diskussion um „Sondervermögen“ ist also nicht nur eine Frage des Sprachgebrauchs, sondern ein Spiegelbild der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse, die uns aktuell beschäftigen. Die Wahl des Unworts des Jahres spiegelt den Wunsch nach Klarheit in einer Zeit wider, in der klare Worte und transparente Kommunikation mehr denn je notwendig sind.