Die Universität Passau trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, eine herausragende Persönlichkeit, die in ihrer Karriere maßgeblich zur Völkerverständigung und Bildungszusammenarbeit beigetragen hat. Sie war Präsidentin des Deutschen Bundestags a. D. und hinterließ einen bleibenden Eindruck in den Bereichen interkultureller Austausch und akademische Kooperationen.

Im Mai 2022 trat Prof. Dr. Süssmuth zum letzten Mal an die Universität Passau, um beim Staatsempfang anlässlich ihres 400-jährigen Jubiläums zu sprechen. Ihr Engagement für die Gründung der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul, eines Leuchtturmprojekts der Wissenschaftskooperation, ist besonders erwähnenswert. Die Universität hebt hervor, dass sie stets ein Vorbild für Energie und Unterstützung neuer Projekte war und die Passauer Universität aufforderte, sich aktiv an dem interkulturellen und interdisziplinären Studiengang „Kulturwirtschaft“ zu beteiligen.

Türkisch-Deutsche Universität als Forum für den Austausch

Die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) wurde offiziell Ende April 2013 durch Bundespräsident Joachim Gauck und den türkischen Präsidenten Abdullah Gül eröffnet und hat sich als ein wichtiges Forum für den Dialog und Austausch zwischen Deutschland und der Türkei etabliert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über den DAAD unterstützt. Der Lehrbetrieb läuft seit Herbst 2013. Derzeit sind 124 Studierende eingeschrieben, darunter 94 in Sprachkursen.

Die TDU hat das Ziel, bis zu 5.000 Studierende an fünf Fakultäten – Naturwissenschaften, Rechtswissenschaft, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften – auszubilden. Dabei orientieren sich die Abschlüsse an den Grundsätzen des Bologna-Prozesses, sodass sie sowohl in Deutschland als auch in der Türkei anerkannt werden. Die Unterrichtssprachen sind Deutsch und Türkisch, teilweise kommt auch Englisch zum Einsatz. In einem Konsortium aus 30 deutschen Hochschulen und dem DAAD sorgt Prof. Dr. Süssmuth für die akademische Betreuung der Universität.

Völkerverständigung als gemeinsames Ziel

In der heutigen Zeit gewinnt der Begriff der Völkerverständigung immer mehr an Bedeutung. Sie beschreibt eine tiefgreifende Kommunikation zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Kulturkreisen mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen und den kulturellen Austausch zu fördern. Solche Projekte werden unter anderem von der UNESCO und verschiedenen Vereinen verfolgt, für die Völkerverständigung als ein anerkannter gemeinnütziger Zweck gilt.

Die Herausforderungen, mit denen sich die Völkerverständigung konfrontiert sieht, sind jedoch nicht zu unterschätzen. In Deutschland wird sie als relevant anerkannt, während in der internationalen Jugendarbeit der Begriff oft kritisch hinterfragt wird. Es ist ein komplexes Zusammenspiel, das individualisierte Begegnungen und außenpolitische Kontexte miteinander verbindet und für ein friedliches Zusammenleben unabdingbar ist.

Prof. Dr. Rita Süssmuth bleibt in Erinnerung als eine Impulsgeberin, die sich leidenschaftlich für diese Anliegen eingesetzt hat. Ihr Engagement war nicht nur akademisch geprägt, sondern auch ein echtes Bekenntnis zu interkulturellem Lernen und Verständigung. Ihr Erbe lebt in den vielen Initiativen und Kooperationen weiter, die sie angestoßen hat.