Das Engagement für Gleichstellung an Hochschulen in Deutschland hat einen weiteren aufregenden Schritt gemacht. Die Technische Universität Chemnitz beteiligt sich erfolgreich am dritten Call des „Professorinnenprogramms 2030“. In dieser Auswahlrunde haben 51 Hochschulen ihre Gleichstellungskonzepte eingereicht, von denen 44 mit positiven Bewertungen hervorstachen. Dies ermöglicht es der TU Chemnitz, bis zum 30. September 2027 Anträge für bis zu drei Anschubfinanzierungen für unbefristete W2- oder W3-Professuren zu stellen.

Das Professorinnenprogramm wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen und zielt darauf ab, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu fördern. Bislang wurden über 1.000 Professuren dadurch gefördert, um den Anteil von Frauen in akademischen Spitzenpositionen zu erhöhen und dem Phänomen der „Leaky Pipeline“ entgegenzuwirken. Trotz ihrer Erfolge bei Bildungsabschlüssen bis zur Promotion verlieren weibliche Wissenschaftlerinnen oft im späteren Verlauf des Karrierewegs an Präsenz. Aktuell liegt der Frauenanteil in der Professorenschaft bei nur 30 %.

Langfristige Ziele des Professorinnenprogramms

Das Programm hat eine langfristige Ausrichtung. Mit einem Gesamtfinanzvolumen von 320 Millionen Euro über die nächsten acht Jahre (2023-2030) wird eine nachhaltige Verbesserung der Gleichstellung an Hochschulen angestrebt. Die Universitäten müssen bei der Antragstellung ein Gleichstellungskonzept einreichen, welches dann in einem zweistufigen Verfahren bewertet wird. Besonders ausgezeichnete Hochschulen können das Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“ tragen und erhalten somit die Möglichkeit, weitere Förderungen zu beantragen.

In den vergangenen Programmphasen hat die TU Chemnitz durch ihre Gleichstellungskonzepte überzeugt und bereits sieben Professorinnen gefördert. Insgesamt wurden über die vier Programmphasen mehr als 5,2 Millionen Euro für gleichstellungsfördernde Maßnahmen bereitgestellt. Ein besonderer Erfolg der TU Chemnitz war die Auszeichnung „Gleichstellung ausgezeichnet!“ im Jahr 2019.

Der Handlungsbedarf bleibt

Trotz dieser Fortschritte bleibt Handlungsbedarf. Wie die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) seit Jahren betont, sind Frauen in Leitungsfunktionen im deutschen Wissenschaftssystem nach wie vor unterrepräsentiert. Sie stellen die Hälfte der Studienanfänger:innen und Hochschulabsolvent:innen, weisen jedoch in höheren akademischen Positionen und Lehrstühlen eine deutliche Unterzahl auf. Auf den höheren Qualifikationsebenen und in den Führungsetagen mangelt es an weiblichen Vertretungen, was durch verschiedene Faktoren begünstigt wird, darunter familiäre Verpflichtungen und das Fehlen individueller Förderbeziehungen.

Für die Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft müssen weiterhin deutliche Schritte unternommen werden. Es sind regelmäßige Maßnahmen und eine enge Vernetzung gefordert, um die Position von Wissenschaftlerinnen zu stärken und die Voraussetzungen für Chancengleichheit zu verbessern. Das Professorinnenprogramm 2030 stellt einen wichtigen Baustein in diesem umfassenden Prozess dar.