Am 12.03.2026 fand ein spannender Forensikabend statt, der sich ganz den sogenannten Cold Cases widmete – ungelöste Kriminalfälle, die oft über Jahrzehnte hinweg im Dunkeln bleiben. Karsten Bettels, Kriminaldirektor a.D., eröffnete die Veranstaltung und gab einen Überblick über die Situation in Deutschland. Rund 10 % aller Fälle in der Bundesrepublik zählen zu den Cold Cases, zu denen nicht nur Tötungsdelikte, sondern auch Vermisstenfälle gehören. Diese Statistiken machen deutlich, dass ein erheblicher Teil der Kriminalitätsgeschichte noch auf Aufklärung wartet.

Bettels erklärte, dass Ermittlungsakten oft mehrere tausend Seiten umfassen. Diese enthalten nicht nur die direkten Hinweise, sondern auch zahlreiche Aussagen und Spuren, die manchmal erst Jahre später ihre Bedeutung entfalten. So ist es wichtig, Akten immer wieder neu zu lesen und verschiedene Perspektiven einfließen zu lassen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der Fall „Nordseemann“ aus dem Jahr 1994, bei dem die Leiche eines Mannes in einer Holzkiste in Bremerhaven gefunden wurde. Die Identität und die Umstände blieben lange unklar und zeigen, wie komplex solche Fälle sein können.

Die mysteriösen Mordfälle

Ein weiterer bekannter Fall, den Bettels ansprach, ist der Mordfall Colin Adamson. Der britische Staatsbürger wurde 1983 tot in seinem ausgebrannten Fahrzeug gefunden. Zeugen berichteten von Knallgeräuschen, die im Nachhinein als platzende Reifen verstanden wurden. Prof. Dr. Thomas Fischer brachte eine wissenschaftliche Perspektive in die Diskussion, indem er die Geräusche näher untersuchte. Dabei erläuterte er die Unterschiede zwischen den Geräuschen eines Fahrzeugbrands und echten Schüssen.

Das Publikum war eingeladen, aktiv Fragen zu stellen und mit den Experten zu diskutieren. Diese Interaktionen sorgten dafür, dass das Interesse an den Themen Forensik und ungelöste Kriminalfälle hoch im Kurs stand und eine lebhafte Atmosphäre herrschte.

Ein Blick in die Kriminalgeschichte

Cold Cases sind nicht nur ein modernes Phänomen. In Deutschland gibt es auch historische Fälle, die bis heute ungelöst bleiben. Ein besonders berüchtigter Fall ist der von Hinterkaifeck, bei dem im Jahr 1922 sechs Bewohner eines Bauernhofs brutal ermordet wurden. Die Morde blieben mehrere Tage unentdeckt, was die Umstände noch rätselhafter macht. Der Fall bleibt bis heute ein faszinierendes und zugleich gruseliges Kapitel in der deutschen Kriminalgeschichte, zumal viele Menschen an den Gerüchten und Spekulationen über die Familiendynamik der Grubers interessiert sind.

Zusätzlich bietet die Webseite Project Cold Case eine informative Datenbank, die weitere Einblicke in ungelöste Fälle weltweit gibt. Dort finden Kriminologen, Ermittler und Interessierte eine Fülle von Informationen und Statistiken zu Cold Cases.

Die Präsenzstelle Spremberg dankte am Ende allen Referenten und Gästen für den Austausch und das große Interesse. Der Abend verdeutlichte, dass die Aufklärung von Cold Cases nicht nur eine Frage der Kriminalistik, sondern auch der gesellschaftlichen Zusammenhänge und menschlichen Geschichten ist.