Im März 2026 schlossen Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden und des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) eine vierwöchige Messkampagne in südlichem Patagonien ab. Ziel dieser Initiative war die Untersuchung des Schrumpfens der Eismassen im südlichen Patagonischen Eisfeld, das als die größte zusammenhängende Eismasse der südlichen Hemisphäre außerhalb der Antarktis gilt. Diese Eismassen verlieren zunehmend an Masse, und das nicht ohne Grund: Die Klimaerwärmung hat gravierende Auswirkungen auf ihre Stabilität und Größe. Die Ergebnisse der jüngsten Messungen werden entscheidende Informationen liefern, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Eismasse und Erdkruste zu verstehen. Wie tu-dresden.de berichtet, ist dies die dritte Kampagne dieser Art nach den Erhebungen in 2020 und 2022.
Durchgeführt wurde die Messkampagne am östlichen Rand des südlichen Patagonischen Eisfelds bis zur Atlantikküste. Dabei kamen hochpräzise Messinstrumente wie das Absolutgravimeter vom Typ FG-5 zum Einsatz, das die Schwerebeschleunigung auf die achte Nachkommastelle genau erfassen kann. Auch moderne GNSS-Technologie (Globale Navigationssatellitensysteme) wurde verwendet, um die Höhenänderungen zu messen und so Schwereänderungen den Höhenveränderungen zuzuordnen. Diese umfassende Messmethodik soll die geowissenschaftliche Gemengelage im Gebiet des südlichen Patagonischen Eisfelds besser begreifen helfen und zusammen mit den Daten der vergangenen Kampagnen die Reaktionen der Eismassen auf die Klimaänderungen verstehen. Das Projekt trägt den Titel „Gravimetrische Bestimmung der Reaktion der festen Erde auf Eismassenänderungen in Süd-Patagonien“ (GravPatagonia) und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Massverlust unter der Lupe
Wissenschaftler aus Deutschland und Argentinien sind im Rahmen dieses Projekts nicht nur mit den Messungen der Eismassen beschäftigt, sondern untersuchen auch die klimabedingten Massenänderungen der Patagonischen Eisfelder ganzheitlich. Diese Massenverluste betragen bis zu einem Fünftel der Verluste der Antarktischen Eismassen. Der Einfluss des Klimawandels sowie die natürliche Klimavariabilität führen zu erheblichen Veränderungen, die sich auch auf das Schwerefeld und die Deformation der Erdkruste auswirken. Wie raumfahrer.net erwähnt, wurde beispielsweise eine Krustenhebung von bis zu 4 cm pro Jahr festgestellt, was die Komplexität der Untersuchung noch verstärkt.
Die Herausforderungen bei dieser Forschung sind nicht zu unterschätzen. Wetterbedingungen und logistische Schwierigkeiten erschweren die Durchführung der Messkampagne erheblich. Zudem müssen die Forscher im Gebiet, wo drei tektonische Platten aufeinandertreffen, präzise Messungen vornehmen, um die genauen Massenverluste nachzuvollziehen. Unterstützt wird das Forschungsvorhaben durch Partner wie die Universidad Nacional de La Plata und das Argentine-German Geodetic Observatory. Die eingehenden Messungen und deren Analyse könnten wertvolle Einblicke in die Struktur des Erdinneren sowie die beobachteten Deformationsprozesse liefern, was letztlich nicht nur für die Wissenschaftler von Bedeutung, sondern auch für die zukünftige Gefährdung von Küstenregionen.



