Linda Klein, eine mathematisch versierte Wissenschaftlerin, hat kürzlich ihre Professur für Biomimetik an der Hochschule Reutlingen angetreten. Klein sieht es als eine spannende Herausforderung, technische Probleme durch das sorgfältige Beobachten der Natur zu lösen. Diese interdisziplinäre Herangehensweise erfordert Kenntnisse in Physik, Chemie, Biologie und Ingenieurswissenschaften, was ihres Erachtens nach grundlegende Fähigkeiten in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) voraussetzt. Ihre akademische Reise begann mit dem Studium der Europäischen Medienwissenschaften und des Maschinenbaus, in dem sie eine Leidenschaft für Materialien und deren systematische Funktionen entwickelte. Diese Erfahrungen und ihre Mentorin Yvonne Joseph prägten ihren Weg zur Professur entscheidend. Joseph unterstützte Klein nicht nur während ihrer Promotion, sondern gab ihr auch wertvolles Feedback und half ihr, in der akademischen Welt Fuß zu fassen.
Allerdings ist Klein nicht alleine auf ihrem Weg. Sie hat auch die Herausforderungen als Frau im MINT-Bereich erlebt, insbesondere während ihres Maschinenbaustudiums, wo ihre Beiträge oft von männlichen Kollegen übersehen wurden. „Der Umgang mit Resilienz ist entscheidend“, gaben Joseph und Klein übereinstimmend an, da Frauen in MINT-Fächern oft besondere Hindernisse überwinden müssen. Dennoch ist eine positive Veränderung im Gange. Klein und Joseph bestätigen einen Kulturwandel in der Hochschul- und Unternehmenslandschaft, der sich zunehmend für Frauen im MINT-Bereich öffnet.
Förderprogramme für Frauen in MINT
Besonders Bemerkenswert ist die Initiative „MissionMINT – Frauen gestalten Zukunft“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen wurde. Diese Förderrichtlinie hat das Ziel, den Anteil von Frauen in MINT-Studiengängen zu erhöhen und ihre akademischen Potenziale zu stärken. Es wird nachdrücklich Wert auf die Gewinnung und den Verbleib von jungen Frauen in diesen Berufen gelegt. Laut den Förderzielen sollen durch praxisorientierte Projekte nicht nur der Frauenanteil in Studiengängen gesteigert, sondern auch der Berufseinstieg und das Aufsteigen in Spitzenpositionen erleichtert werden.
Zu den spezifischen Zielgruppen der Förderrichtlinie zählen Hochschulen sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Verbände und Bildungsträger, die in genderspezifischen MINT-Kontexten tätig sind. Solche Programme sind unerlässlich, um die Sichtbarkeit von Frauen in MINT zu verbessern, da der aktuelle Frauenanteil in diesen Berufen weiterhin niedrig ist. Wie Statistiken belegen, lag der Frauenanteil im Schuljahr 2023/24 bei nur 13,9 % für Auszubildende in MINT-Berufen.
Frauen in MINT-Berufen
Derzeit sind etwa 80 % der Arbeitskräfte im MINT-Bereich in technischen Berufen beschäftigt, wobei nur 14,7 % dieser Positionen von Frauen ausgeübt werden. Der Frauenanteil im Bereich der Informatik liegt mit 18,5 % etwas höher, jedoch bleibt er insgesamt hinter den durchschnittlichen Werten zurück. Trotz der nach wie vor geringen Repräsentanz der Frauen in MINT-Berufen zeigen Erhebungen, dass Frauen in mathematischen oder naturwissenschaftlichen Berufen fast gleichauf sind – hier beträgt der Frauenanteil immerhin 50,6 %, auch wenn nur 7 % der MINT-Beschäftigten in diesen Bereichen tätig sind.
Diese Herausforderungen markieren zwar eine Hürde, doch Klein ermutigt Frauen dazu, sich gegenseitig zu unterstützen und ihre Erfahrungen zu teilen, um einen nachhaltigeren Wandel in der MINT-Landschaft zu fördern. Auch an der Hochschule Reutlingen wird aktiv daran gearbeitet, familienfreundliche Maßnahmen zu implementieren, wie Wickeltische und eine Campus-Kita, um den Alltag zwischen Beruf und Familie zu erleichtern.
Die Diskussion um Frauen in MINT-Fächern ist unabhängig von individuellen Geschichten deutlich. Die Implementierung von unterstützenden Programmen und die Schaffung einer offenen, unterstützenden Kultur sind entscheidend. Damit mehr Frauen den Mut finden, ihre Karriere im MINT-Bereich zu starten und erfolgreich zu gestalten.
Für weitere Informationen stehen Interessierten individuelle Beratungsangebote zur Verfügung. Kontaktinformationen sind unter der Förderrichtlinie zu finden.