Der Begriff der „künstlerischen Forschung“ hat sich seit den 1990er Jahren zu einem wichtigen Format in den Bereichen Bildung, Institutionen, Ästhetik und Kunsttheorie entwickelt. Wie Diaphanes berichtet, breitete sich dieses Konzept über verschiedene künstlerische Felder aus, die von Installationen über experimentelle Formate bis hin zu zeitgenössischer Musik, Literatur, Tanz und Performancekunst reichen. Trotz dieser Vielfalt ist der Forschungsbegriff innerhalb der künstlerischen Forschung keineswegs klar definiert.
Ein neues Manifest zielt darauf ab, den Begriff und das Potenzial dieser Form der Forschung zu verteidigen und kritisiert zugleich die enge Verknüpfung künstlerischer Forschung mit universitären Formaten und wissenschaftlichen Prinzipien. Es möchte die Autonomie und den einzigartigen intellektuellen Charakter der künstlerischen Forschung betonen, ohne sich dabei um die rechtfertigende Legitimität externer Standards zu kümmern.
Wissenschaft und Kunst – Eine bereichernde Verbindung
Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst könnte nicht nur die Zugänglichkeit der Wissenschaft erhöhen, sondern auch entscheidend dazu beitragen, das Lernen zu verbessern. In einem Artikel von PMC wird auf ein bestehendes Stigma in Bezug auf Karrieren in der Wissenschaft hingewiesen, das durch enge Spezialisierungen verursacht wird. Diese sind oft schwer verständlich, was auch für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Lernens eine Herausforderung darstellt. Wissenschaftliches Lernen könnte durch die Einbettung in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext gefördert werden.
Ein zentraler Aspekt ist die Inspiration, die sowohl für Künstler als auch für Betrachter eine integrale Rolle spielt. Das Fehlen von Inspiration kann dabei sowohl die Lernmotivation als auch die Anpassungsfähigkeit negativ beeinflussen. Eine zunehmend beobachtbare Kluft zwischen Kunst und Wissenschaft hat zu einer Generation von Wissenschaftlern geführt, die oft kein ästhetisches Empfinden besitzen und Künstler, die keine wissenschaftliche Bildung erhalten haben. Quantitative Studien konnten zeigen, dass das Lernen in der Wissenschaft durch Beziehungen zur Kunst wesentlich gesteigert werden kann.
Interaktive Kunstprojekte – Der „Karussell der Sinne“
Ein bemerkenswertes Projekt, das die Verbindung von Kunst und Wissenschaft verkörpert, ist das „Karussell der Sinne“, das von der Künstlerin Christiane Wittig in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IWU und der TU Chemnitz entwickelt wurde. Dieses interaktive, selbstlernende Exponat wird beim „Festival der Zukunft“ im Deutschen Museum in München vom 6. bis 8. Juli 2023 präsentiert. Es hat das Ziel, mehr Sinnlichkeit in Technologien einzubringen und das Sinnenleben durch Robotik und besondere Sinnesobjekte sichtbar zu machen, wie Fraunhofer IWU erläutert.
Der Fokus liegt dabei auf der Verwendung von 3D-gedruckten Objekten, die geisterhaft wirken und somit einen Abstand zum physischen Objekt schaffen. Der Roboterarm reagiert auf den Kontakt mit dem Betrachter und beeinflusst dynamisch das Karussell. Durch solche innovativen Ansätze wird nicht nur das künstlerische Ausdrucksvermögen gefördert, sondern auch eine tiefere Auseinandersetzung mit den neuronalen Mechanismen des Lernens und der Wahrnehmung angeregt.